Mit dem Wind-Verkauf würde Enel-Chef Scaroni seinen Plan komplett abarbeiten
Ein Mann mit einer Mission

Seine Botschaft war einfach und eindeutig: „Wir werden nichts Unsinniges tun“, sagte Paolo Scaroni, als er vor drei Jahren den Chefposten bei dem italienischen Stromkonzern Enel übernahm.

MAILAND. Daher hat er alle Kaufofferten für die Enel-Telekomtochter Wind bislang abgelehnt – zu niedrig und damit unsinnig, so sein Urteil. Ein Börsengang sei die bessere Alternative.

Möglicherweise überlegt sich der Enel-Chef die Sache angesichts des Bieterwettkampfs um Wind doch noch anders. Zwei Investorengruppen haben vor einigen Tagen neue Milliardenofferten für die Telekomtochter abgegeben: ein Konsortium unter Führung der New Yorker Investmentfirma Blackstone und eine Gruppe um den Chef des ägyptischen Telekomkonzerns Orascom, Naguib Sawiris. Sie bewerten Wind mit insgesamt 11,5 bis 12 Milliarden Euro. Scaroni sieht den Wert von Wind – der Nummer drei auf dem italienischen Mobilfunkmarkt mit 11 Mill. Kunden – eher bei 13 Milliarden Euro. Bis Mitte April will das Enel-Board über die Offerten entscheiden.

Die Trennung von Wind ist der letzte bisher noch offene Punkt in Scaronis Masterplan, den einstigen Mischkonzern Enel zu einem reinen Strom- und Gasunternehmen umzubauen. Und dann steht dem Enel-Chef wohl nichts mehr im Wege, sich einer neuen Herausforderung zuzuwenden. Scaroni liebäugele mit dem Chefsessel beim Mineralölmulti Eni, wird in Italien spekuliert.

Der 58-Jährige hat bereits eine enorm erfolgreiche Karriere hinter sich. Er hat das britische Traditionsunternehmen Pilkington zu einem der effizientesten Glashersteller gemacht. Scaroni ist einer der ganz wenigen italienischen Manager, die es auch im Ausland zu etwas gebracht haben. Er spricht vier Sprachen fließend und hat unter anderem in Südamerika, London und Paris gearbeitet. Er verkörpert dabei das angelsächsische Manager-Modell: zupackend und auf Transparenz bedacht.

Selbst eine Schmiergeldaffäre hat seiner beruflichen Karriere nicht geschadet: Anfang der 90er-Jahre landete Scaroni für kurze Zeit im Gefängnis: Die Vorwürfe: Schmiergeldzahlungen und illegale Parteienfinanzierung. Scaroni, damals Chef des Anlagenbauers Techint, befand sich damit aber in guter Gesellschaft. Es gab nur wenige Topmanager in Italien, die sich nicht wegen ähnlicher Vorwürfe vor Gericht verantworten mussten.

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