Management
Mit den Zulieferern auf Augenhöhe

"Wer alleine arbeitet addiert, wer intelligent kooperiert, der multipliziert." Joachim Milberg, heute Aufsichtsratschef von BMW, weiß, wie die Automobilkonzerne dem immer höheren Kostendruck und weltweiten Wettbewerb begegnen müssen.

HB MÜNCHEN. "Mit den traditionellen unternehmerischen Mustern – selber machen oder zukaufen – sind die anstehenden Aufgaben nur noch mit sehr hohem Aufwand und Risiko zu bewältigen“, bestätigt auch Jan Dannenberg, Direktor des weltweiten Branchen-Teams Automobil der Management-Beratung Mercer in München.

Viele Herstelle kooperieren deshalb seit langem und immer häufiger und enger mit Zulieferern, Systemintegratoren und sogar Wettbewerbern. Durch die firmenübergreifende Arbeitsteilung nutzen sie Kostenvorteile und Innovationschancen. In Unternehmensnetzwerken tauschen sie Entwicklungswissen aus oder legen gemeinsame Standards für Bauteile fest, die die gesamte Branche verwenden kann.

Fast zwei Drittel der Automobilunternehmen entwickeln bereits Fahrzeugteile oder – wie das BMW bei der Auslagerung der Produktion des X3 an den österreichischen Automobilentwicklers Magna Steyr gezeigt hat – ganze Fahrzeuge im Verbund. Ein Drittel der Automanager ist der Überzeugung, dass Unternehmensnetzwerke in Zukunft noch wichtiger werden. Dies ist das Ergebnis einer Studie von Mercer-Analysten und Wirtschaftsexperten der Technischen Universität München, die 50 Spitzenmanager der Automobilindustrie befragten und über 200 Kooperationen unter die Lupe nahmen.

Doch nicht immer läuft bei der Zusammenarbeit alles glatt. Oft hakt es beim Management der Verbünde, warnen die Studienautoren. Bei vielen Unternehmen sind die Netzwerkaktivitäten nicht ausreichend in die Gesamtstrategie eingebunden – die Ziele der Partner sind zu verschieden. Häufig prallen auch zu unterschiedliche Firmenkulturen aufeinander. Viele Manager zeigen sich zudem durch die Komplexität der Netzwerkaufgaben überfordert, beobachtet Ralf Reichwald, Professor für Betriebswirtschaftslehre der TU München. „Netzwerkmanagement ist komplexer und erfordert andere Qualifikationen als das Management in hierarchischen Strukturen“, betont er. Eigenschaften wie Offenheit, diplomatisches Geschick und Kompromissbereitschaft sind unabdingbar. „Wie gewohnt einfach autoritär durchzugreifen, funktioniert eben nicht mehr“, weiß Romed Kelp, Berater bei Mercer. Besonders den Managern der großen Automobilhersteller fällt es schwer, von der althergebrachten Aufteilung in Auftraggeber, die bestimmen, und Auftragnehmer, die zu gehorchen haben, zu lassen.

Die praktischen Probleme der Autobranche teilen inzwischen auch andere Industrien, in denen sich die Vorteile übergreifender Kooperationen längst herumgesprochen haben. „Häufig sind die Netzwerke falsch angelegt. Man beschäftigt sich zu früh mit technischen Austauschsystemen wie Kommunikationsplattformen. Dabei sind Netzwerke soziale Veranstaltungen – und die leben vor allem von direkter Kommunikation“, weiß Ralf Kopp vom Landesinstitut Sozialforschungsstelle in Dortmund.

Dass Verbünde auch reibungslos funktionieren können, zeigt das Beispiel Autosar (Automotive Open System Architecture). Über 80 Automobilhersteller und Zulieferer erarbeiten gemeinsam offene Standards für Autoelektronik-Komponenten. Obwohl hier direkte Konkurrenten wie BMW, Daimler-Chrysler, Ford oder Toyota an einem Strang ziehen müssen, floriert der Wissensaustausch. „Experten aus allen Unternehmen treffen sich auf Augenhöhe“, berichtet Martin Thoone vom Zulieferer Visteon. In den Gremien wird genau darauf geachtet, dass das geistige Eigentum eines jeden geschützt bleibt. Thoone betont: „So finden wir gemeinsam die besten technischen Lösungen – denn niemand muss mit verdeckten Karten spielen.“

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