Mit der Berufung von Luca Cordero di Montezemolo zum Fiat-Präsidenten beginnt eine neue Ära
Die Familie ist tot - Die Familie lebt

Am Ortsrand von Villar Perosa, vor den Toren von Turin, steht eine neoromanische Kapelle. In ihr werden die Agnellis zu Grabe getragen. Es ist ein stiller Zug von trauernden Menschen, der am letzten Samstag den Hügel hinaufzieht. Nur Familienmitglieder und die engsten Vertrauten der Sippe sind zur Beerdigung von Umberto Agnelli gekommen.

MAILAND. Unter ihnen befindet sich ein junger Mann mit lockigem Haar und schmalem Gesicht: John Elkann. Er wirkt noch ernster als im letzten Jahr.

Damals wurde der Sarg seines Großvaters, des „Avvocato“ Gianni in die Wand des linken Seitenschiffs eingelassen. Elkann scheint bewusst, welch immense Verantwortung nun auf ihm lastet: Denn nach dem Tod des Fiat-Präsidenten Umberto soll der 28-jährige Wirtschaftsingenieur immer stärker in die Führungsrolle einer der mächtigsten Industriellendynastien der Welt schlüpfen.

Dass er sich dafür mehr Zeit nehmen darf als zunächst vermutet, liegt an einem der wenigen Anwesenden, der im offiziellen Stammbaum der Agnellis nicht auftaucht und dennoch bei allen wichtigen Ereignissen der Familie eine zentrale Rolle zu spielen scheint: Luca Cordero di Montezemolo. In der Nacht zum Pfingstsonntag bekommt der immer noch jugendlich wirkende 56-jährige Chef von Ferrari und des Arbeitgeberverbandes Confindustria den Auftrag, als künftiger Präsident von Fiat Umberto Agnelli zu folgen.

Der erfolgreiche Manager hat praktisch sein gesamtes berufliches Leben im „mondo Fiat“ – der Fiat-Welt – verbracht. Viele in Italien nehmen an, dass er ein unehelicher Sohn Giannis ist und verweisen auf Ähnlichkeiten im Äußeren, im Charakter und im Stil. Tatsache ist jedenfalls, dass er stets ein außergewöhnlich enges Verhältnis zum „Avvocato“ gepflegt hat, was ihn immer wie ein Familienmitglied erscheinen ließ.

Neben ihm wird John Elkann – wie einst der junge Gianni Agnelli – zum Vizepräsidenten von Fiat gekürt. Außerdem rückt mit Andrea Agnelli, dem ebenfalls 28-jährigen zweiten Sohn von Umberto Agnelli ein weiterer Vertreter der jungen Generation in den Verwaltungsrat des größten italienischen Industrieunternehmens ein, das zu 30 Prozent von den Nachkommen des Gründers kontrolliert wird.

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