Mit Red-Bull-Werbung erfolgreich
Wie man einen pfiffigen Spruch vergoldet

Flügel sind ihm noch nicht gewachsen, dem Erfinder der Red-Bull-Werbekampagne. Johannes Kastner, stattliche Statur, rötliches Haar, sieht eher aus wie ein Mensch mit Bodenhaftung. Von dem gebürtigen Osttiroler stammt der Werbespruch „Red Bull verleiht Flügel“.

HB FRANKFURT. Ausgedacht hat er ihn sich in den 80er-Jahren, und noch heute entwickelt er die Kampagnen für den Energie-Drink. Gemeinsam mit Red-Bull-Inhaber Dietrich Mateschitz schreibt und produziert er die Radio-Spots.

Auf Schwingen scheint der gebürtige Osttiroler jetzt auch die Werbeflaute zu durchschweben. Während die Werbeausgaben der Unternehmen in Deutschland 2002 um 7,5 Prozent gesunken sind und damit auch die Einnahmen der Agenturen, ist Kastner & Partner auf einen Honorarumsatz von 150 Millionen Euro gewachsen. Und in diesem Jahr will die Frankfurter Agentur noch einmal um ein Viertel zulegen.

Kastners Erfolg ist ganz eng mit dem Getränkehersteller aus dem Salzburger Land verbunden. Bald nachdem er 1982 die kleine Werbeagentur in Frankfurt gegründet hatte, lernte er Mateschitz kennen. Der wollte ein Getränk mit dem Namen Red Bull auf den Markt bringen, hatte aber kein Geld. Die beiden machten ein Tauschgeschäft. Mateschitz arbeitete in Kastners Agentur, dafür entwickelte Kastner für ein erfolgsabhängiges Honorar die Red-Bull-Werbung.

Tatsächlich wurde der süße Drink zum Welterfolg. Der Red- Bull-Umsatz stieg von Jahr zu Jahr, auf zuletzt 1,147 Milliarden Euro weltweit. Und Kastners Firma wuchs zum internationalen Agenturnetz. Inzwischen betreibt er elf Büros, unter anderem in Spanien, den USA und Australien. „Wir sind die einzige unabhängige Agentur, die eine wirkliche Weltmarke geschaffen hat“, behauptet Kastner.

„Red Bull gives you wings“, übersetzte er seinen Erfolgsspruch – und machte das Getränk vor drei Jahren auch auf dem mittlerweile wichtigsten Markt USA bekannt. Jetzt kommt Kastner mit seiner Gruppe weltweit auf fast so viel Umsatz wie die zweitgrößte deutsche Werbegruppe Grey hier zu Lande. Kastner will aber noch mehr, einen ganz großen Kunden: „Ich halte unsere klassischen Werbekampagnen würdig für Procter & Gamble“, sagt er.

So weit ist seine im Weltmaßstab kleine Gruppe aber noch nicht – auch wenn ihm ein alter Werbeprofi bescheinigt, er wirke charismatisch auf Kunden und Mitarbeiter. Erst seit zwei Jahren bemüht er sich überhaupt darum, neben Red Bull andere Kunden zu gewinnen. Erste Erfolge: die Mineralwassermarke Staatlich Fachingen und der Sekthersteller Henkell & Söhnlein.

Der 57-Jährige, der mit Frau und Kindern in der Schweiz lebt, muss aber nicht nur seine Abhängigkeit vom Großkunden Red Bull verringern. Er bereitet auch die Übergang an seine Geschäftsführer Joe Nutt (Beratung) und Bernd Lange (Kreation) in der Frankfurter Zentrale vor. „Bisher hat man bekommen, was auf der Agentur draufstand, nämlich Kastner selbst. Diesen Anspruch muss er jetzt ändern“, beschreibt ein Marktkenner die Herausforderung.

Nicht nur die. Viele große Agenturen buhlen zurzeit mit Niedrigpreisen um die Kunden der Konkurrenz – oder wollen die Wettbewerber gleich kaufen. „Ich werde die Agentur auf keinen Fall verkaufen“, sagt Kastner und lehnt sich beruhigt zurück: „Red Bull ist unser Türöffner.“

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