Mit Zahlen und Fakten allein kann kein Chef zum Erfolg führen
Menschenkenntnis in der Krise hoch im Kurs

Werden Leute freigestellt, fährt in vielen Unternehmen die Belegschaft die Ellbogen aus. Dann gibt es häufig Mobbing, Ärger und Belästigungen. Gerade in diesen Zeiten kann eine Führungskraft beweisen, was sie kann“, stellt Hans Jablonski fest, einer der Personalverantwortlichen bei den Kölner Ford-Werken.

Dort wird Vielfalt ganz groß geschrieben: Den Autobauern liegt das Individuum am Herzen. Dazu gehören die gegenseitige Wertschätzung und Respekt voreinander, egal welche Nationalität, Religion oder sexuelle Orientierung. So gibt es bei Ford beispielsweise eine Betriebsvereinbarung für partnerschaftliches Verhalten am Arbeitsplatz. Und gerade für Führungskräfte gilt: „Ein Vorgesetzter muss Verständnis für unterschiedliche Situationen und Menschen haben und seine Mitarbeiter motivieren. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist Sozialkompetenz ganz besonders gefragt“, so Jablonski.

Dass das Engagement des Unternehmens im sozialen Umgang zu Erfolgen führt, zeigt das Ergebnis des Wettbewerbs „Deutschlands bester Arbeitgeber 2004“: Trotz Stellenabbau konnte Ford bei den Firmen mit mehr als 5 000 Beschäftigten den zweiten Platz belegen – durch die Antworten von 239 zufällig ausgewählten Mitarbeitern auf einen ihnen vorgelegten Fragenkatalog.

Auch bei Siemens in München spielt der Begriff Sozialkompetenz eine bedeutende Rolle – er wird nur nicht direkt benannt. „Sozialkompetenz ist ein recht unscharfer Begriff“, erklärt Ralph Küntscher, bei Siemens verantwortlich für die Führungskräfte und ihre Entwicklung. „Darum umschreiben wir ihn in unserem Kompetenzmodell bei der Darstellung exzellenter Führung.“

Fingerspitzengefühl beim Kündigen

Zum Beispiel mit dem Begriff Mitarbeitermotivation. Diese ist – wie auch der Begriff Sozialkompetenz – keine leere Worthülse. Das verdeutlicht Wolfgang Lichius aus der Geschäftsführung von Kienbaum Executive Consultants in Gummersbach: „Selbst wenn heute eher Durchsetzer und Sanierer gefragt sind, sie brauchen trotzdem Sozialkompetenz“, verdeutlicht er. „Denn wenn es um Entlassungen geht, benötigen auch Manager Mitarbeiter, die mitziehen.“ Und, so fügt Lichius hinzu, beim Kündigen sei Fingerspitzengefühl gefragt.

Aus ihrer Erfahrung weiß auch Jacqueline Bauernfeind, Headhunterin und Chefin der gleichnamigen Personalberatung in München, dass derzeit oft Leute gesucht werden, die hart durchgreifen und zum Beispiel Mitarbeiter entlassen. Dass Sozialkompetenz dabei trotzdem wichtig ist, verdeutlicht sie so: „Diese Unternehmen suchen sich einen Kapitän, der schon bei starkem Sturm gesegelt und nicht untergegangen ist. Haben sie zwei zur Auswahl, werden sie eher den nehmen, der trotz harter Bedingungen sein Team motivieren und zu Höchstleistungen bringen kann. Da hilft die Peitsche alleine nicht weiter.“ Wolfgang Lichius und Jacqueline Bauernfeind sind sich einig: „Sozialkompetenz ist das wichtigste Kriterium überhaupt für einen guten Chef.“ Die Headhunterin ergänzt: „Wenn Führungskräfte scheitern, dann weil ihnen soziale Kompetenz fehlt.“ Scheitern ist nicht nur für den einzelnen ein Imageverlust, sondern kommt das Unternehmen auch noch teuer zu stehen.

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