Mitarbeiter sagen ihm Perfektionismus nach.
Der schüchterne Wunderknabe

Die Modeszene meint es gut mit Renzo Rosso: Karl Lagerfeld kauft seine Jeans bei ihm und lässt dort sogar eine eigene Linie produzieren. Die Fashion-Reporter überschlagen sich und nennen den 49-jährigen Italiener geschäftsfördernd einen „Nonkonformisten“, einen „Rebell“, einen „Wunderknaben“.

MOLVENA. Mit so viel Rückenwind ist der Kreative mit dem ergrauten Lockenkopf ein erfolgreicher Geschäftsmann geworden: Voriges Jahr hat er mit seinen Jeans- und Modekollektionen, die unter dem Label Diesel laufen, eine Milliarde Euro umgesetzt, 27 Prozent mehr als 2003. Gestern wurde der Unternehmer von der Fachzeitschrift „Textilwirtschaft“ für seine persönliche Leistung ausgezeichnet. „Er hat den Mut, etwas zu wagen“, begründet Jörg Hintz, Herausgeber des Blattes, die Entscheidung. „Renzo Rosso ist nicht konventionell, sondern eine besondere Figur“, sagt er.

Seit fast dreißig Jahren hat Rosso, den so mancher wegen seiner sportlichen Figur und der jugendlich-lässigen Kleidung mit einem kalifornischen Surfer vergleicht, Mut und eine eigene Note bewiesen. Als Absolvent der Modeschule rubbelte der Sohn eines Bauern in den 70er-Jahren Jeansentwürfe mit Steinen ab, um sie gebraucht aussehen zu lassen. Woche für Woche fuhr er mit einem Ford Transit durch Europa, um sie zu verkaufen. Er hat den Händlern sogar eine Umsatzgarantie gegeben, trotzdem bekam er manchmal die Ware zurückgesandt; mit dem Hinweis, Rosso habe ihnen irrtümlicherweise gebrauchte Hosen überlassen.

Auch wenn der Vater von sechs Kindern froh ist, dass die finanziell schwierige Zeit hinter ihm liegt, hat er seine Ideale nicht aufgegeben. Rosso wirkt jünger und weniger gesetzt als viele Manager in seinem Alter. Wenn er Außenstehenden die Diesel-Welt erklären kann, strahlen seine blauen Augen wie die eines Kindes. Sein italienisch gefärbtes Englisch klingt wie eine sanfte, heitere Melodie. Er sagt gerne Sätze wie: „Für mich spiegelt sich Erfolg in kreativen Entwürfen wider, nicht in Verkaufszahlen.“ Mit anderen Worten: Die Mode soll ausgefallen sein, nicht massentauglich.

Auch deshalb hat er in den vergangenen Jahren die Zahl der Diesel-Verkaufsstellen weltweit von 10 000 auf 5 000 reduziert – und gleichzeitig die Preise erhöht. Die Kollektionen wurden noch modischer. In Deutschland sind im Zuge des Kurswechsels die einst so wichtigen Partner Kaufhof, Karstadt und Otto von seiner Vertriebsliste verschwunden. Heute liegt der Durchschnittspreis für eine Jeans bei 160 Euro, für ein Exemplar der Premiumlinie bei 350 Euro. Das liege an der hohen Qualität, sagt Rosso und zupft an seiner Frisur, einige Locken dreht er dabei um den Zeigefinger. Mit 55 Prozent lässt er einen außergewöhnlich hohen Warenanteil in Italien fertigen. Der Unternehmer will Akzente setzen. Das sei aber eben nur begrenzt mit Schneidern in Billiglohnländern möglich, sagt Rosso.

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