Mitarbeiterbefragungen
„Wenn keine Wirkung folgt, ist die Motivation tot“

„Liebe Mitarbeiter, sind Sie zufrieden?“, heißt es oft, wenn der Chef seinen Leuten auf den Puls fühlen will. Doch es müssen auch Taten folgen, damit die Mannschaft bessere Ergebnisse liefert – sonst kippt das Klima.
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Mehr als ein Stimmungsbarometer: Mitarbeiterbefragungen können ein wichtiges strategisches Instrument sein, sagt Felix Brodbeck vom Lehrstuhl Wirtschafts- und Organisationspsychologie der Ludwig-Maximilians-Universität München. Richtig eingesetzt sind Unternehmen dadurch erfolgreicher. Wir sprachen mit dem Experten über den Sinn und Unsinn der Umfragen.

Herr Brodbeck, Sie führen in den großen Konzernen der Republik regelmäßig Mitarbeiterumfragen durch. Wie steht es denn um die Arbeitsmoral der Deutschen?

Die ist gut. Wir Zentraleuropäer zeichnen uns ja dadurch aus, dass wir sehr pflichttreu sind. Die klassischen deutschen Tugenden sind also immer noch erkennbar. Das Pflichtbewusstsein, dass man seine Arbeit auch ordentlich macht, ruht aber inzwischen auf anderen Füßen, denn mit der Generation Y hat es einen Generationenbruch gegeben.

Wie äußert sich das?

Es ist spürbar, dass es einen anderen Anspruch an die Tätigkeit gibt als noch vor 30 Jahren, wo man seinem Chef beinahe bedingungslos folgte. Themen wie Work-Life-Balance werden viel stärker betont und flexible Arbeitszeiten oder Kinderbetreuung rücken in den Fokus. Der Job soll nicht mehr nur Geld bringen, sondern auch Sinn machen.

Was ist denn heute anders als damals?

Es hat vor 30 Jahren eine Art Kündigung des psychologischen Vertrages  zwischen einer Organisation und ihren Mitarbeitern gegeben. Bis dahin sorgte eine Firma noch für ihren Mitarbeiter – und zwar von vorne bis hinten. Irgendwann fing das an zu erodieren und plötzlich war Arbeitgeber-Hopping angesagt. Absolventen kommen heute gar nicht mehr auf die Idee, dass sie mit einem Arbeitgeber ihr ganzes Leben verbringen.

Wirkt sich das auf die Loyalität aus?

Früher identifizierten sich die Mitarbeiter sehr stark mit ihrer Firma, denn der Umgang miteinander war familiär und väterlich. Heute stehen das Engagement und die Leistungsbereitschaft unter Vorbehalt, nach dem Motto: Ich mache hier solange mit, wie alles noch passt.

Ihre Meinung zu Mitarbeiterbefragungen: Nonsens oder Notwendigkeit?

Notwendigkeit, ganz klar. Es gab ja gerade in Zeiten der Krise einige Firmen die gesagt haben: Wir wissen jetzt schon, dass das schlecht für uns ausgeht, weil es den Leuten schlecht geht und deswegen sagen die auch Schlechtes über uns. Diese These ist wissenschaftlich aber nicht haltbar. Grundsätzlich ist die Mitarbeiterbefragung ein wichtiges Instrument, mit dem sich viel Positives bewirken lässt. Vorausgesetzt sie verkommt nicht bloß zur reinen Meinungsumfrage, nach der nichts mehr passiert.

Kommentare zu " Mitarbeiterbefragungen : „Wenn keine Wirkung folgt, ist die Motivation tot“"

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  • Na endlich mal ein gelungener Artikel zu diesem Thema. Habe bis vor einiger Zeit für eine spanische Großbank gearbeitet und würde den Artikel gern mal übersetzt nach Madrid schicken. Besonders in Banken sind Mitarbeiterbefragungen besonders heikel. Habe genug von denen gemacht und danach nichts mehr gehört! Komisch ?!

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