Mitinhaber von Katjes im Interview
Der bekehrte Familienunternehmer

Tobias Bachmüller ist Familienunternehmer. Der Mitinhaber des Emmericher Lakritzherstellers Katjes kennt aber auch die Welt der Großkonzerne. Im Interview spricht der 49-Jährige über Emotionen, Verantwortung und den langen Atem bei familiengeführten Firmen.
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Herr Bachmüller, Sie sind seit zehn Jahren Familienunternehmer. Davor waren Sie angestellter Manager in verschiedenen Konzernen der Nahrungsmittelindustrie und kennen auch diese Welt. Hat sich Ihr Leben seit Ihrem Wechsel verändert?

Komplett. Ich bin so eine Art konvertierter Familienunternehmer, die sind ja besonders enthusiastisch. Aber im Ernst: Ich bin mit meinen zehn Prozent, die ich seit 1996 an Katjes Fassin halte, nun auch mein eigener Stamm geworden, was ich ganz toll finde, denn nun kann ich meinen Anteil auch an unsere Kinder weitergeben. Viele werden ja auch geschäftsführender Gesellschafter, ohne dass sie vererben können.

Warum ist das Vererben so wichtig für ein Familienunternehmen wie Katjes?

Weil es bei uns um Nachhaltigkeit geht. Das klingt vielleicht etwas banal, aber genau das unterscheidet mich von einem Private-Equity-Fonds, einer Heuschrecke, die nur kauft und dann meistbietend wieder verkauft. Ich sage nicht, dass das nicht legitim wäre, denn dabei können durch kluges Management auch Werte geschaffen werden. Aber Familienunternehmer gehen einen anderen Weg, sie legen Wert auf langfristige Absicherung und Weiterentwicklung des Unternehmens über den eigenen, persönlichen Horizont hinaus. Das ist das Reizvolle. Theoretisch haben wir hier eine Zeitlinie von 100 Jahren, wenn es mir gelingt, das Prinzip der Unternehmensführung auf unsere vier Kinder zu übertragen. Das heißt allerdings auch, dass es von außen manchmal so aussieht, als ob wir uns langsamer bewegen. Das könnte schon sein. Wir sind eben keine Heuschrecken, sondern vielleicht Schildkröten.

Wenn Ihnen das alles im Blut liegt, warum haben Sie dann erst eine Karriere als Konzernmanager eingeschlagen, bevor Sie sich zum Unternehmer berufen fühlten?

Ich wusste nicht, dass es eine Chance für mich gibt, Familienunternehmer zu werden. Vor zehn Jahren lernte ich Klaus Fassin, den damaligen Seniorchef und Gründer von Katjes kennen. Er war damals 65, sein Sohn 22 und erst am Beginn seines Studiums. Es gab da sozusagen eine Generationslücke. Fassin brauchte einen gestandenen Manager aus der Nahrungsmittelbranche, und da passte ich gut in sein Konzept. Ich war 38 Jahre und Chef von Suchard-Deutschland. So kaufte ich mich mit zehn Prozent ein, der Vater hält 30 Prozent und Sohn Bastian 60 Prozent. Wenn man wie ich von zu Hause nichts in der Tasche hat, ist das eigentlich ein Traum, es war eine Gelegenheit, die ich ergriffen habe, schon allein deswegen, weil mir so viele davon abgeraten haben. So etwas reizt mich.

Wie hat sich denn Ihr Leben im Unternehmen verändert?

Zunächst einmal gibt es in unserer Firma ganz andere Gestaltungsmöglichkeiten. Als Deutschland-Chef von Suchard hatte ich fünf Ebenen unter mir, aber auch fünf Ebenen über mir. Bei uns sind die Wege sehr viel kürzer, auf Termine muss man bei mir nicht tagelang warten, und außer E-Mails schreiben wir uns hier keine internen Briefe und sichern uns auch nicht 1000-mal ab. Ein klar gesprochenes Wort muss reichen. Vielleicht habe ich nun auch ein größeres Sendungsbewusstsein, ich muss nicht wie früher an irgendeiner internen Konzernschranke haltmachen. Das Prinzip in einem Großkonzern ist doch immer dasselbe, man fragt sich, wie bewege ich mich nach oben, ohne anzuecken.

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