Mittelständler besonders sorglos
Firmen unterschätzen Datenklau

Geschäftsinformationen sind in IT-Systemen oft unzureichend geschützt. Neue Fahndungsmethoden helfen bei der Überführung von Tätern. Doch vor allem in kleinen und mittleren Unternehmen werden die Gefahren selten ernst genommen: Dem Datenklau über E-Mail, USB-Stick oder Handy steht nichts im Weg.

DÜSSELDORF. Alle waren überrascht, keiner hätte ihn verdächtigt. Schließlich galt er als sympathischer Kollege, schon sein Vater hatte für die Maschinenbau-Firma gearbeitet - bei kleinen und mittleren Unternehmen keine Seltenheit. Den Vertrauensvorschuss nutzte Oliver C. aus: Er verriet brisante Kunden- und Produktdaten an die Konkurrenz, ganz einfach per E-Mail.

Ein realer Fall, wie er in vielen Unternehmen vorkommen kann. Bei 13 Prozent der wirtschaftskriminellen Fälle im vorigen Jahr kam es zu Know-how-Verlusten durch Datenklau, ergab eine Studie der auf Krisenmanagement spezialisierten Result Group . Neben Diebstahl, Unterschlagung, Untreue und Betrug zählt dies zu den häufigsten Risiken für Unternehmen.

"Wir sehen häufig eine Mischform von Industriespionage, Veruntreuung und Diebstahl von Daten", erläutert Reinhold Kern, Manager der auf Datenrettung und elektronische Beweissicherung spezialisierten Kroll Ontrack GmbH in Böblingen. "Selbst komplette Datenbank-Inhalte werden gestohlen."

Diese Gefahr werde vor allem in kleinen und mittleren Unternehmen unterschätzt, beobachtet Steffen Salvenmoser, Experte bei der Prüfungsgesellschaft Pricewaterhouse-Coopers. Eine Untersuchung der Prüfungsgesellschaft KPMG ergab ebenfalls, dass es gerade in inhabergeführten Unternehmen an Risikobewusstsein mangele. Dass sich in der offiziellen Statistik mehr wirtschaftskriminelle Delinquenten bei den großen Firmen finden als bei Unternehmen mit weniger als 200 Mitarbeitern, liegt nach Ansicht der Experten daran, dass dort die Kontrollsysteme ausgefeilter sind.

Unternehmer sehen IT-Risiken oft an der falschen Stelle. "Viele denken bei Datensicherheit nur an Viren- und Hacker-Angriffe; dabei machen sie nicht den größten Schaden aus", sagt Christian Götz, Geschäftsführer von Corporate Integrity Solutions, einer Ausgliederung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte&Touche, die sich auf Prävention und Aufklärung von Wirtschaftskriminalität spezialisiert hat. Das bedeutet: Vor Angriffen auf IT-Systeme und Datenbanken von außen schützen sich Unternehmen zwar - doch die Täter kommen vielfach aus den Reihen der eigenen Mitarbeiter.

Ihnen wird der Datenklau über E-Mail, USB-Stick oder Handy einfach gemacht. Nach einer Studie des Marktforschungsunternehmens Dynamic Markets speichern 92 Prozent der Manager unternehmenskritische Informationen auf ihren Handys oder PDAs. Manche Firmen gehen geradezu sorglos mit ihren Daten um, beobachtet Götz: So verkaufte eine Versicherung ihre alten Rechner samt Festplatte und damit allen gespeicherten Daten. Aber selbst wenn Daten vorher gelöscht werden, sind sie noch vorhanden, können von Fachleuten auch nach einer Formatierung noch gelesen werden.

Seite 1:

Firmen unterschätzen Datenklau

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%