Mittelständler schaffen Arbeitsplätze
Das Herz schlägt in der Provinz

Trumpf und Voith bauen ihren Stammsitz aus. Die Familienunternehmen kommen tief aus der Provinz, aber ihren Umsatz erwirtschaften sie längst weltweit. Dennoch setzten sie weiterhin auf das Inland, schaffen hier Arbeitsplätze. Trumpf und Voith - nur zwei Beispiel für moderne Mittelständler.

DITZINGEN. Ditzingen ist Trumpf und Trumpf ist Ditzingen. Das klingt etwas nach Provinz und ist es auch. Aber das ist eben nur die halbe Wahrheit. Denn der Werkzeugmaschinen- und Laserhersteller ist in der Welt zu Hause. Die Exportquote liegt bei 70 Prozent. Wenn Firmenchefin Nicola Leibinger-Kammüller derzeit aus den Fenstern ihres Eck-Büros herausschaut, dann sieht sie auf Baustellen. Zu ihren Füßen baut das Familienunternehmen für 60 Mill. Euro ein neues Dienstleistungszentrum und ein neue Kantine. Schaut sie demnächst in Richtung Süden, dann werden dort für weitere 50 Mill. Euro neue Entwicklungszentren und Fertigungshallen entstehen. Trumpf vergrößert sich um ein Drittel. "Wir wollen hier alle unsere Entwickler in Deutschland zusammenziehen", sagt die Tochter von Berthold Leibinger, die das Unternehmen seit eineinhalb Jahren zusammen mit ihrem Bruder und ihrem Mann führt.

Derzeit beschäftigt Trumpf am Stammsitz 2000 der 6500 Mitarbeiter. Ausgelegt ist die Erweiterung auf 3000 Beschäftigte. "Nirgendwo können wir so konzentriert arbeiten und haben so gute Kontakte wie hier", sagt Leibinger-Kammüller. Die von ihrer Schwester, einer Architektin, entworfenen Bauten sollen den Standort für Ingenieure noch attraktiver machen. Der Erfolg des Unternehmens aber auch Entlassungswellen wie bei Daimler-Chrysler haben dafür gesorgt, dass Trumpf mit 1,65 Mrd. Euro Umsatz und 154 Mill. Euro Gewinn beim Nachwuchs einen guten Ruf besitzt. "Hart aber fair geht es hier zu", sagt einer der Beschäftigten. Seit zwei Jahren wird bei Trumpf 40 Stunden in der Woche gearbeitet.

Im Gegenzug sollte der Stammsitz ausgebaut werden. Dieses Versprechen wird jetzt eingelöst. Auf einer Fläche groß wie 28 Fußballfelder erstreckt sich das Werk direkt an der A81 zwischen Stammheim und Leonberg. Südlich des Firmengeländes können noch einige Flurbesitzer berechtigter Weise den Traum des Millionen-Bauern träumen. Einer von ihnen arbeitet sogar bei Trumpf, ohne dass er es noch müsste. "Er ist uns einfach verbunden", sagt die Firmenchefin. Der Ausbau des Firmengeländes ist aber vor allem eines: Optimismus über den Tag hinaus. "Im ersten Halbjahr haben wir ein zweistelliges Wachstum erreicht", bestätigt die Firmenchefin. Das Herz von Trumpf schlägt in und für Ditzingen.

Ähnliches gilt für Voith in Heidenheim an der Brenz, 100 Kilometer östlich von Stuttgart - noch tiefer in der Provinz. Voith-Vorstandschef Hermut Kormann beschreibt den Standort bei Kunden im Ausland selbstironisch mit "off Broadway". Am Stammsitz an der Schwäbischen Alb, lässt Kormann jetzt eine neue Konzernzentrale für 35 Mill. Euro bauen. Auch Voith stärkt sein Herz. Frankfurt und London seien als Sitz für die Zentrale des Weltmarktführers bei Papiermaschinen mit seinen 34 000 Mitarbeitern im Gespräch gewesen, heißt es. Das futuristische Gebäude wird vom Stararchitekten Helmut Jahn gebaut. Voith traut sich was.

Am Montag wird in Stuttgart eine Studie vorgestellt, die belegt, was die Beispiele Trumpf und Voith zeigen: Weltweit aufgestellte Familienunternehmen setzen auf das Inland und schaffen mehr Arbeitsplätze als große Dax-Unternehmen.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
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