MLP-Chef Schroeder-Wildberg
Der kühle Taktiker

Finanzvertriebe haben ihre eigene Logik. Ganz wichtig ist der Mann an der Spitze. Oft wird er abgöttisch geliebt oder abgrundtief verabscheut. Für den Vorstandsvorsitzende von MLP, Uwe Schroeder-Wildberg, gilt beides nicht.

FRANKFURT. Der Vorstandsvorsitzende von MLP versprüht nicht das Charisma eines Reinfried Pohl oder eines Carsten Maschmeyer, den starken Männern von DVAG und AWD. Denen hört man am Anfang zwar widerwillig zu, doch am Ende kauft man ihnen alles ab. Und geht beflügelt aus dem Raum.

Schroeder-Wildberg fehlt dieser Drang, sich ständig in Szene zu setzen - komme da, wer wolle. Er wirkt auch mit Mitte vierzig noch wie der nette Junge von nebenan, dem jede Mutter ihre Tochter bedenkenlos anvertrauen würde: ein wenig spröde, zahlenverliebt und sehr musikalisch obendrein. Beifallsstürme bekam er bislang bevorzugt, wenn er auf Feiern seinen Vertretern mal eine Gesangseinlage gab. Das reicht nicht, um unzufriedene Leute dauerhaft im Unternehmen zu halten.

Viele alte MLPler sind abgewandert, gute Neue sind schwer zu finden. Das ist sein Problem, wie er auch am Mittwoch wieder bei der Vorlage der Quartalszahlen einräumen musste. Denn je mehr gute Vermittler ein Finanzvertrieb auf die Straße jagt, um so mehr Geschäft kommt rein. Die Berater sind die Basis für künftiges Wachstum.

Genau hier hakt es seit Jahren bei MLP. Viel hat Schroeder-Wildberg schon versucht und verändert, um dieses Kernproblem in den Griff zu bekommen. Intern ist er relativ weit, was die Umstellung der Strukturen in Vertrieb und Technik angeht. Doch den Markt der Altersvorsorge, seinen Zukunftsmarkt, kann er nur schlecht beeinflussen. Die Akademiker, die angestammte Kundschaft von MLP, ist verunsichert durch Wirtschaftsflaute, Börsenbaisse und Inflationsanstieg. Die Aufsteiger kaufen nicht mehr so freudig Lebensversicherungen oder aktienbasierte Fondsprodukte. Das spürt er jedes Quartal in den Verkaufszahlen - auch zwischen April und Juni 2008.

Schroeder-Wildberg redet daher nun gern von einem "Verdrängungswettbewerb" in der Branche. Damit schaufelt er auch ein wenig am eigenen Grab. Denn wer hier wen beiseite schiebt, ist noch nicht ausgemacht. Vielleicht werden es am Ende ja die Aggressoren von Swiss Life mit AWD sein, die den kühlen Taktiker nicht mehr brauchen. Schroeder-Wildberg rüstet sich daher zum nächsten Gefecht. Sein letztes für MLP?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%