Mobilfunkmogul
Carlos Slim hat in Europa Großes vor

Experten sind sich sicher: Milliardär Carlos Slim wird seine Anteile an KPN und Telekom Austria aufstocken und sich nach weiteren Übernahme-Gelegenheiten umschauen. Schließlich sind europäische Firmen derzeit billig.
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WienDer Mexikaner Carlos Slim ist nach Europa gekommen, um zu bleiben. Innerhalb von wenigen Wochen ist der reichste Mann der Welt über seinen Mobilfunkkonzern America Movil beim niederländischen Telekomunternehmen KPN und der Telekom Austria eingestiegen. Mit den Minderheitsanteilen von 28 Prozent in den Niederlanden und geplanten 26 Prozent in Österreich dürfte er sich längerfristig aber nicht zufriedengeben: Experten erwarten, dass Slim seine Anteile an beiden Unternehmen weiter aufstockt - und sich nach weiteren Übernahmezielen umsieht.

„Wir beobachten bei America Movil eine Präferenz dafür, Beteiligungen vollständig oder fast vollständig zu kontrollieren“, schreiben die Analysten der Erste Bank in einer Studie. In der Tat hält der Konzern bei seinen Töchtern von den USA bis Argentinien nie weniger als 88 Prozent. „Es ist möglich, dass America Movil nicht beim derzeitigen Level stehenbleibt“, folgert die Erste Bank daraus. Auch die Experten von Raiffeisen erwarten eine Aufstockung und entwerfen bereits Szenarien für die künftige Eigentümerstruktur unter mexikanischer Vorherrschaft.

Der Käufer selbst gibt sich zurückhaltend - noch. „Wir sind mit diesen großen Anteilen an KPN und Telekom zufrieden“, erklärt America-Movil-Chef Daniel Hajj in einem Interview. „Derzeit wollen wir einen großen, aber keinen kontrollierenden Anteil.“ Nach weiteren Übernahmen in Europa sehe sich America Movil derzeit nicht um.

Den Zeitpunkt für seinen Einstieg in Europa hat Slim dabei gut gewählt: Viele Unternehmen sind wegen der fallenden Aktienkurse durch die Schuldenkrise an der Börse so billig wie lange nicht. Der Index der größten europäischen Telekomkonzerne notierte im vergangenen zweiten Quartal auf dem niedrigsten Stand seit Mitte 2009.

Zugute kommt Slim darüber hinaus, dass sich große europäische Konzerne von ihren Beteiligungen oder Töchtern trennen, weil sie sich angesichts mauer Geschäfte und verhaltener Wachstumsaussichten lieber auf ihre Kern- und Heimatmärkte konzentrieren. Nach Einschätzung von Marc Sier, Geschäftsführer bei Solon Management Consulting, dürfte das eine Verkaufswelle auslösen. „In den nächsten 12 bis 18 Monaten könnten 10 Assets, also Töchter von Telekom-Konzernen, auf den Markt kommen“, sagt er.

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Die Übernahmewelle rollt

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