Mode-Mann Mark McGuire
Zurück zu den Wurzeln.

Mark McGuire hat sich seinen Job als Chef der neuen Modemesse Weare selbst geschaffen, indem er vor Jahren als Marketingdirektor die Berliner Modemesse „Bread & Butter“ erfolgreich machte. Für den mittlerweile selbstständigen „Mode-Gutu“ machte sich dies mittlerweile gleich mehrfach bezahlt – denn jetzt will die Konkurrenz auch so etwas.

Unter dem Ärmel seines schwarzen T-Shirts lugt ein blauschwarzes Maori-Tattoo hervor. Im linken Nasenflügel blinkt ein silberner Ring. Der dunkle Kinn- und Oberlippenbart ist zwar präzise geschnitten, aber doch unkonventionell. Auch optisch ist Mark McGuire genau der Richtige für den Job. McGuire ist Chef der neuen Modemesse Weare, die am 8. Februar in Düsseldorf erstmals ihre Pforten öffnet. Und er ist so etwas wie das A-Team für seinen Auftraggeber, Deutschlands größten Modemessenveranstalter Igedo. Mark McGuire soll die Jugend zurück aufs Düsseldorfer Messegelände holen. Den kreativen Designernachwuchs, die trendigen Marken aus der Jeansszene, die kultigen Labels aus dem Streetwear-Bereich. Denn die zeigen ihre Kollektionen zurzeit lieber in Barcelona oder Kopenhagen. Düsseldorf hat mit seinen beiden Hauptmessen CPD und HMD zwar unbestritten die Flaggschiffe fürs Modemassengeschäft, bei den jungen Wilden aber den Coolnessfaktor einer Butterfahrt.

Ein kniffliger Job. Und einer, der nicht einer gewissen Ironie entbehrt. Denn es war nicht zuletzt McGuire, der als Marketingdirektor der Berliner Modemesse Bread & Butter der Igedo vor einigen Jahren genau diese Klientel wegschnappte (siehe Kasten). Mittlerweile ist die Bread & Butter nach Barcelona umgezogen und hinterlässt in Deutschland – möglicherweise – eine Lücke für eine neue Messe „für progressive und zeitgemäße Bekleidungskultur“, wie es im Branchenjargon heißt. Diese Lücke will McGuire mit seinem eigenen Konzept schließen – und weil es der Geldgeber so will, tut er das in Düsseldorf. Für den Wahl-Berliner ein ganz schön saurer Apfel. Denn dass er heute ein erfahrener Messemacher mit Renommee und viel Elan ist, hätte die Stadt beinah versemmelt.

Er ist in der Gegend, am Niederrhein, groß geworden, als Sohn eines britischen Soldaten. Als Teenager begeistert sich der heute 42-Jährige mehr für britische Punkbands und durchlöcherte T-Shirts als für die Schule, steht auf alles, was aus London kommt und kopiert wild die Mode, die er auf den Musikbühnen oder in Magazinen aufschnappt. „In einer kleinen Stadt wie Kaarst ist das schon sehr außergewöhnlich, anders rumzulaufen“, erinnert sich McGuire. Nach der mittleren Reife ist erst mal Schluss. Null Bock auf gar nichts. Auf Drängen seiner Mutter zieht er eine kaufmännische Ausbildung in einer Kaufhof-Filiale in Düsseldorf durch, arbeitet danach aber lieber bei angesagten Schuh- und Klamotten-Läden in der Stadt, probiert vieles aus. „Ich wollte eigentlich immer studieren, war immer wissensdurstig, aber ich hab’s nie auf die Reihe gekriegt. Der Funken hat nie richtig gezündet. Es ist immer irgendetwas dazwischen gekommen“, sagt er. Er interessiert sich für Musik, Mode, Kunst, macht aber nie was draus. Mangels Perspektiven holt er dann doch mit 30 sein Abi auf dem zweiten Bildungsweg nach. „Eine meiner wichtigsten Entscheidungen“, sagt er heute. 1996, mit Anfang 30, folgt er aus „reiner Liebesverzweiflung“ seiner Freundin und jetzigen Frau Anja in die Hauptstadt. Sie zum Studieren, er ohne große Pläne. Und dann erwischt ihn Berlin. Volle Breitseite. „Es war wie ein Energieschub. Das Leben war Lichtjahre von Düsseldorf entfernt. Berlin ist für mich wie eine Momentaufnahme. Du triffst Leute, verlierst sie wieder, triffst neue. Wie ein reißender Fluss, der dich mitzieht“, schwärmt er lebhaft, und die Intensität seiner Stimme wird noch ein bisschen stärker, als sie ohnehin schon ist. Er ist ein guter Erzähler.

McGuire studiert Kunst- und Kulturwissenschaften an der Humboldt-Uni und genießt es, zum ersten Mal zu lernen. Das Paar wohnt in Mitte, dem Zentrum der Subkultur. Freakige Klamottenläden, Kellerclubs im dritten Hinterhof, junge, unbekannte Bands, illegale Partys in Abrissobjekten. Jeden Tag laufen Konzerte, Ausstellungen, Theater. Inspiration pur. „Ich bin in diese Clubszene eingetaucht und habe entdeckt, was ich machen will: Netzwerker sein. Ich mag es, Menschen zusammenzubringen, Ideen zu säen und zu schauen, was passiert“, stellt er fest.

1998 kommt Sohn Scott auf die Welt. Studieren und ein Kind großziehen, die perfekte Kombi, zumindest, wenn man im Kita-gesegneten Berlin lebt, findet McGuire. Neben dem Studium gründet das Paar die PR- und Event-Agentur b:sides network, die auch heute noch die unternehmerische Plattform für ihre Projekte ist. Die Agentur läuft gut an, die beiden konzipieren, organisieren und vermarkten Kultur- und Musikprojekte. „Ich kann halt gut reden, und Anja ist die, die alles verarbeitet und die mich erdet“, erklärt er. Er veranstaltet eine kleine Partyreihe, lernt Szene-Tonangeber wie Dimitri Hegemann vom Technoclub Tresor oder Marc Wohlrabe vom Technomagazin „Flyer“ kennen. Nach zehn „wunderbar lehrreichen“ Semestern muss das Studium aus Zeitmangel dran glauben.

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