Modebranche
Shoppen, bis die Tastatur qualmt

Die Modehersteller entdecken das Internet: Von Zara bis Gucci eröffnen dieser Tage virtuelle Stores.für das unbegrenzte und bequeme Einkaufsvergnügen per Mausklick. Nach Expertenmeinung kommt keine zukunftsfähige Marke mehr am Internet vorbei. Doch die Online-Offensive birgt auch Risiken.
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MAILAND/DÜSSELDORF. Die Schlange vor Umkleidekabine und Kasse ist lang, die Wunschgröße ausverkauft und das Verkaufspersonal überall, nur nicht zur Stelle. Einkaufen bei Zara ist häufig mehr Frust als Lust. Bislang. Ab heute soll sich das ändern: Die Modekette öffnet die Türen zu seinem neuen Store im Internet und verheißt dort unbegrenztes und bequemes Einkaufsvergnügen per Mausklick. Zusätzlich gibt es spezielle Applikationen für iPhone und iPad. Pablo Isla, CEO des spanischen Mutterkonzerns Inditex, spricht von einem "wichtigen strategischen Schritt".

Insider gehen davon aus, dass das Online-Geschäft mittelfristig drei bis fünf Prozent des Zara-Umsatzes ausmachen wird. Auf die Modekette entfallen fast zwei Drittel des Inditex-Geschäfts von gut elf Milliarden Euro. Aber der Internet-Auftritt sichert den Unternehmen die Hoheit über Vertrieb und Preis, stärkt die Marke - und wird vor allem vom Kunden erwartet. "Keine zukunftsfähige Marke kommt mehr am Internet vorbei", sagt Heinz Horn, Präsident des Gesamtverbandes Textil und Mode.

Branche gibt die Zurückhaltung auf

Längst sind es deshalb nicht mehr nur Massenmarken wie Zara oder Esprit, die das Netz für sich entdecken. Auch Edelhäuser wie Gucci, Armani oder Zegna mischen mit. "Die Mode war lange Jahre sehr vorsichtig und hat das Internet nur versuchsweise benutzt", sagt Armando Branchini, Chef der Unternehmensberatung Intercorporate und Vorsitzender des italienischen Luxusverbands Altagamma. "Aber seit zwei Jahren steigen sie massiv ein." Das liege daran, dass immer mehr Kunden aller Altersklassen sich an das Internet gewöhnt hätten und es heute auch eine emotionale Kommunikation ermögliche.

Der Glaube an die Macht der Bits und Bytes ist dabei so groß, dass manch ein Modehersteller mittlerweile ganz auf eigene Läden verzichtet. So will bis Ende dieses Jahres etwa der US-Filialist Gap wieder auf dem deutschen Markt mitmischen, von dem er sich erst vor sechs Jahre zurückgezogen hat. Jetzt versucht er ein Comeback über das Internet. "Jede Marke, die heute einen Flagshipstore eröffnen will, wird zuerst über einen im Internet nachdenken", sagt Daniel Terberger, Vorstandschef der Modegruppe Katag.

Doch die Hersteller setzen nicht mehr nur auf eigene Online-Stores. Um ihre Marke ins rechte Licht zu setzen, übertragen etwa Louis Vuitton, Prada und Diesel Black Gold ihre Modeschauen mittlerweile online. Calvin Klein Collection ließ das New Yorker Glitzerspektakel zusätzlich auf seiner Facebook-Seite laufen. Giorgio Armani wiederum gab diese Woche bekannt, den vom erfolgreichen Internet-Modehändler Yoox ins Leben gerufenen Master in "E-Fashion" an der Mailänder Uni Politecnico weiter unterstützen zu wollen.

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  • Danke, ein sehr infromativer Artikel

  • GUCCi gehört nicht zum LVMH Konglomerat, sondern zur PPR Gruppe von Pinault.

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