Modehersteller verkleinert Vorstand und tauscht Finanzchef aus
Boss mit weniger Bossen

Bruno Sälzer erhält mehr Macht. Der größte deutsche Modehersteller Hugo Boss richtet seine Konzernstruktur noch stärker auf den Vorstandschef aus. Dazu schrumpft der Vorstand von fünf auf vier Personen. Verlierer ist Lothar Reiff. Dessen Stelle als Vorstand für Kreation wird zum 31. Oktober gestrichen.

STUTTGART. „Jede Modemarke wird künftig von einem Kreativdirektor und einem für Marketing und Vertrieb zuständigen Markenmanager geführt“, sagte ein Boss-Sprecher. Die Verantwortlichen für die Marke Boss und deren Tochtermarken berichten künftig direkt an Vorstandschef Bruno Sälzer. Die Zuständigen für die Trendmarke Hugo und die in Lizenz produzierten Parfüms, Brillen und Uhren berichten an Einzelhandelsvorstand André Maeder.

Dadurch laufen die Fäden auch im kreativen Bereich künftig noch stärker beim Gespann Sälzer/Maeder zusammen.

Auch der Vertrag mit Finanzchef Jörg-Viggo Müller wird nicht verlängert. Das Mandat des 52-Jährigen läuft Ende März kommenden Jahres aus. Er arbeitete seit April 1993 im Boss-Vorstand und kümmerte sich auch um Personalführung und Informationstechnik. Gründe für die zwei Personalien nannte das Unternehmen auch auf Nachfrage nicht.

Das sieht nach einem handfesten Krach und Richtungsstreit im Vorstand aus. Aber nach Einschätzung von Betriebsrat und Aufsichtsratsmitglied Antonio Semina ist nichts dergleichen der Fall. Andere Modeunternehmen in der Branche hätten auch keinen eigenen Vorstand für Kreation. Und der Austausch eines Finanzvorstandes bezeichnet der Arbeitnehmervertreter „als etwas ganz Normales“. Den Posten bekommt Joachim Reinhardt. Der 41-Jährige war bislang Finanz-Geschäftsführer der deutschen Tochter des Rasiererherstellers Gillette.

Unterdessen läuft das Geschäft bei Boss trotz Konsumflaute gut. Der Modekonzern hat nach kräftigen Zuwächsen bei Umsatz und Ergebnis seine Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr von 100 auf 105 Millionen Euro angehoben. Im vergangenen Jahr hatte Boss 88 Millionen Euro verdient. Im laufenden – traditionell schwächeren – vierten Quartal erwartet Boss offenbar einen Verlust, weil der Gewinn nach neun Monaten schon neun Millionen Euro über der Jahresprognose lag. Von Januar bis September setzte Boss konzernweit eine Milliarde Euro um, zwölf Prozent mehr als vor Jahresfrist.

An der Börse kletterten die im Nebenwerteindex MDax gelisteten Boss-Aktien um 2,3 Prozent auf 27,80 Euro und setzten sich damit vom verhalten positiven Markttrend ab.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%