Möchtegern-Nachfolger stehen Schange
Die Tage der Entscheidung

Der Chef des französischen Stromriesen EDF, François Roussely, kämpft um seinen Job. Sein vielleicht größter Trumpf sind ausgrechnet die Gewerkschaften.

PARIS. Eigentlich ist der Termin reine Routine. Electricité de France (EDF), Europas größter Stromkonzern, stellt zwei neue Marken vor. Stolze PR-Manager in der ersten Reihe freuen sich über neue Logos und neue Plakate, von denen selbstbewusste Gesichter herabschauen: Manager, Bäcker, Bauern.

Das Gesicht von François Roussely hingegen verweigert ein selbstbewusstes Lächeln. Die markanten Nasenfalten drücken die Mundwinkel herunter, auf der Oberlippe schimmern Schweißtröpfchen im gut gekühlten Saal eines Pariser Kongresszentrums, die rechte Hand lässt den Kugelschreiber zappeln. Entspannung sieht anders aus.

Für den EDF-Chef läuft ein doppelter Countdown. In 107 Tagen, am 1. Juli, tritt die nächste Etappe der Strommarktliberalisierung in Kraft. Dann können in Frankreich auch Mittelständler und Handwerker ihren Lieferanten frei wählen – 70 Prozent des Strommarktes werden offen sein. Damit sie EDF treu bleiben, ließ Roussely die Marken „EDF Entreprise“ und „EDF Pro“ erfinden. Aber was ihn mehr zu interessieren scheint: Am 1. Juli kann auch Frankreichs Regierung frei wählen: ob sie den Vertrag von Roussely verlängert – oder nicht.

Roussely will bleiben. „Ich bin noch nicht fertig mit dem, was ich begonnen habe, und ich habe Lust, es weiterzuführen“, sagt er. Und kokett stichelt der 59-Jährige bei der Präsentation der Jahresergebnisse vergangene Woche hinterher: „Daniel Camus, unser Finanzchef, und ich werden Ihnen im September auch die Halbjahresergebnisse vorstellen!“ Sollen die Politiker nur ganz genau hinhören . . .

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