Möglicher Post-Chef
Frank Appel: Der Kronprinz der Post

Was wie beiläufig daherkam, war ein Ritterschlag: Frank Appel, 45, wird behutsam zum Nachfolger von Post-Chef Klaus Zumwinkel, 63, aufgebaut. Immer deutlicher zeigt sich: Der Konzern steht vor einem Generationswechsel. Mit Appel würde ein Mann an die Spitze rücken, der sich schon einige Verdienste für das Unternehmen erworben hat.

KÖLN. Die Vorstellungsrunde startete der Aufsichtsratschef. Ex-Lufthansa-Boss Jürgen Weber, dem Anlass entsprechend mit gelber Krawatte, ließ die neuen Vorstände und Aufsichtsräte der Deutschen Post der Reihe nach vor den Aktionären auf der Hauptversammlung aufstehen: Jürgen Gerdes, den Brief- und Paketvorstand für das Deutschland-Geschäft, und Verdi-Funktionärin Andrea Kocsis, die den Verdi-Kollegen Rolf Büttner wie geplant im Aufsichtsrat ablöst.

Zwei durften zunächst sitzen bleiben: Ingrid Matthäus-Maier, die Chefin der KfW Bankengruppe, des größten Post-Aktionärs, deren Mandat verlängert wurde. Und Frank Appel – der Postvorstand mit der etwas unklaren Arbeitsplatzbeschreibung „Global Business Services“, Funktionen wie IT, Recht, Einkauf und Immobilienmanagement. Seine Vorstellung übernahm Post-Chef Klaus Zumwinkel persönlich.

Was wie beiläufig daherkam, war ein Ritterschlag: Künftig soll der 45-Jährige die Verantwortung für das internationale Briefgeschäft übernehmen und für Zusatzgeschäfte rund um den Brief sowie den Zentralbereich Regulierungsmanagement zuständig sein. Appel wird damit offenbar als Nachfolger von Post-Chef Zumwinkel aufgebaut. In dieser Ansicht sind sich Fachleute wie der Hamburger Logistikexperte Horst Manner-Romberg einig.

Appel als Nachfolger Zumwinkels – ein Signal, das in Finanzkreisen schon lange erwartet, wenn nicht gar gefordert worden war. „Wenn er nicht gerade goldene Löffel klaut, wird Appel neuer Vorstandschef der Post“, sagen Branchenkenner. Schon seit einiger Zeit gilt Appel als einer der „jungen Leute“ Zumwinkels und als erster Kandidat im Bonner Post-Tower für dessen Nachfolge. Zumwinkels Vertrag läuft Ende 2008 aus.

„Mit Herrn Appel arbeite ich seit fast sieben Jahren eng zusammen“, sagte der Post-Chef gestern vor den Aktionären in Köln. Er werde den Umbruch im regulatorischen und politischen Feld mitgestalten

.

Zumwinkel hatte Appel im Jahr 2000 als Leiter Konzernentwicklung von der Unternehmensberatung McKinsey nach Bonn abgeworben und unter seine Fittiche genommen. Wie auch Konzernchef Zumwinkel haben die meisten anderen Vorstandskollegen die hohe Schule der US-Beraterfirma absolviert – eine klare Aufstiegshilfe bei der Post. Seitdem hat Appel tiefen Einblick in den Konzern nehmen können und stieg 2002 in den Vorstand auf. Er gilt als Mann ohne Allüren. So wollten ihn die Pförtner der Post mit seinem alten Volvo-Kombi zunächst nicht auf die Vorstandsparkplätze lassen. Passte das Auto doch so gar nicht zu den dort parkenden Limousinen.

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