Mol-Chef Zsolt Hernádi
Feuer unterm Dach

Zsolt Hernádi führt den Abwehrkampf des ungarischen Energiekonzerns Mol gegen die österreichische OMV an. Nun hat er die EU gegen sich.

BUDAPEST. Die Kollegin aus Wien spricht vom "finsteren Kuruzen“. So wurden vor 300 Jahren in Österreich jene Partisanen aus der Puszta genannt, die sich gegen die Habsburger Herrschaft auflehnten. Und steht nicht Zsolt Hernádi, 46 Jahre alt, graue Schläfen, hohe Stirn, flinke Augen, Leninbart, genau in dieser Tradition?

Der Chef des ungarischen Energieerzeugers Mol ist Anführer des Abwehrkampfes gegen den österreichischen Konkurrenten OMV, bei dem der Staat als Großaktionär noch immer viel Einfluss hat. Mit einigem guten Willen ließe sich die Titelzeile "Hernádi gegen Habsburg“ also vertreten. Und, um den Vergleich weiter zu strapazieren: So, wie sich Habsburg damals durchsetzte, wird in diesen Tagen auch für Hernádi die Luft spürbar dünner.

Budapest, Mol-Zentrale, 6. Stock. Hinter einer Glastür beginnt das Vorstandsreich, in dem der Teppich flauschiger ist und die Türen schalldichter schließen. Hernádi eilt an den großen Konferenztisch und fällt ins Gespräch: Deutsch geht ihm fließend von den Lippen, seit er bei der Deutschen Bank, Filiale Pforzheim, eine Ausbildung absolviert hat.

Danach startete er seine Karriere in Ungarns überschaubarer Bankenwelt, wurde dank seines ausgezeichneten nationalen Netzwerks und seiner nach dem Mauerfall so wertvoll gewordenen Beziehungen zum Westen zur Management-Allzweckwaffe, landete zwischendurch mal im Vorstand der kränkelnden nationalen Fluglinie Malev und schließlich an der Spitze von Mol.

Ein Kuruze? "Einer, der weiß, was er will“, sagt ein Mol-Kollege.

Hernádi will, dass das größte ungarische Unternehmen selbstständig bleibt. Dazu kämpft er nicht wie ein Partisan, sondern bedient sich eher wie ein begabter Pianist mit beiden Händen der gesamten Klaviatur. Gegenüber der Politik im eigenen Land, die er gerade nicht sonderlich schätzt, aber brauchen kann, schlägt er nationale Töne an. Gegenüber seinen Aktionären kommt er aufs liebe Geld zu sprechen. "Wir haben“, sagt er "die ganze Büchse der Pandora geöffnet.“

Im Parlament in Budapest zum Beispiel hat er viel erreicht: Die Politiker verabschiedeten ein Gesetz, das "strategisch wichtige Unternehmen“ vor Übernahmen schützt, indem sich beispielsweise die Regierung Sitze im Aufsichtsrat sichert. Weil das Gesetz so gar nicht zufällig in die Zeit des Übernahmekampfes zwischen OMV und Mol fällt, wird es überall außer in Ungarn "Lex Mol“ genannt. "Die Regierung hilft sich selbst, wenn sie uns hilft“, sagt Hernádi in einem dieser kurzen Manageraugenblicke, in dem das Selbstbewusstsein mit einem durchzugehen droht.

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