Monika Piel
Die Unorthodoxe

Die WDR-Intendantin Monika Piel übernimmt ab 1. Januar für zwei Jahre den ARD-Vorsitz. In der ARD wartet eine Menge Arbeit auf die 59-Jährige. Durch die Umstellung auf die neue Haushaltsgebühr muss der öffentlich-rechtliche Rundfunk neue Akzeptanz in der Gesellschaft gewinnen. Dem Programm fehlt es an Innovationen. Piel braucht unorthodoxe Lösungen.
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KÖLN. Konzentriert sitzt Monika Piel in der ersten Reihe im obersten Stockwerk der Konzernzentrale von Axel Springer. Die WDR-Intendantin lauscht den Ausführungen von Springer-Chef Mathias Döpfner, der in seiner charismatischen Art die ehrgeizige Internetstrategie des größten Zeitungskonzerns in Europa vorstellt. Inhalte gibt es nur noch gegen Geld auf iPad und iPhone, lautet die Message des Zwei-Meter-Manns. Piel beobachtet Döpfner ganz genau. Der Auftritt, die Sprache, die Inszenierung ist so ganz anders als in der behäbigen ARD-Welt. Wenn die gebürtige Rheinländerin zum 1. Januar 2011 den ARD-Vorsitz übernimmt, will sie vieles besser machen.

Der Besuch beim "Bild"-Konzern in Berlin ist dafür ein Beispiel. Für manchen ARD-Granden wäre ein öffentlicher Antrittsbesuch bei Springer ein Tabu. Ihr Vorgänger auf dem ARD-Chefsessel, SWR-Intendant Peter Boudgoust, hat zudem mit seiner sturen Haltung zu den kostenfreien Internetangeboten der öffentlich-rechtlichen Sender viel Porzellan in der Verlagsbranche zerschlagen. Zuletzt provozierte das Angebot der ARD, Nachrichten der "Tagesschau" kostenfrei per sogenannter Applikation, kurz "App", direkt aufs Handy zu laden, Ärger mit den Verlagen.

Doch zwischen dem früheren Pressesprecher des Stuttgarter Regierungspräsidiums und der einstigen Assistentin des "Internationalen Frühschoppens" mit Werner Höfer liegen Welten. Die Journalistin Monika Piel ist unorthodox. Berührungsängste mit Wettbewerbern oder Gegnern hat sie nicht. Das ist ihre Stärke. Bereits vor zwei Jahren vereinbarte sie eine Kooperation zwischen WDR und dem Essener Medienkonzern WAZ im Internet - ein Novum in der Zeitungsbranche.

In der ARD wartet eine Menge Arbeit auf die 59-Jährige. Durch die Umstellung auf die neue Haushaltsgebühr von monatlich 17,98 Euro hat der öffentlich-rechtliche Rundfunk viel Rückhalt in der Gesellschaft verloren. Dem Programm fehlt es an Innovationen. Eine Überalterung des Publikums droht. Zu guter Letzt erschüttern neue Fälle von Misswirtschaft das Vertrauen in die ARD. Derzeit wird der Kinderkanal von einem Betrugsskandal gebeutelt. Rund sieben Millionen Euro sollen veruntreut worden sein. Den unter Verdacht stehenden Mitarbeitern wurde kurz vor Weihnachten gekündigt.

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