Monika Wulf-Mathies
Die „rote“ Cheflobbyistin

Als Leiterin des Zentralbereichs Politik und Nachhaltigkeit hatte Post-Chef Klaus Zumwinkel die ehemalige Gewerkschafts-Chefin und EU-Kommissarin Monika Wulf-Mathies 2001 nach Bonn geholt. Den Fall des Briefmonopols konnte sie für die Post jedoch nicht verhindern.

DÜSSELDORF. „Den Begriff Cheflobbyistin schätze ich nicht sehr“, sagt Monika Wulf-Mathies. Denn sie weiß, was sich gehört. Den Posten kann bei der Deutschen Post nur einer haben: „Klaus Zumwinkel ist unser eigentlicher Cheflobbyist“, sagt sie. Der hat sich jetzt ein blaues Auge geholt: Das Briefmonopol soll nun doch wie geplant Anfang 2008 fallen, trotz aller Versuche der Post, es noch einmal zu verschieben. Eine herbe Enttäuschung – trotz des Einsatzes seiner „Powerfrau“.

Zumwinkel hatte die ehemalige Gewerkschafts-Chefin und EU-Kommissarin, die als „mächtigste Frau Europas“ ein Drittel des EU-Budgets verwaltete, 2001 als Leiterin des Zentralbereichs Politik und Nachhaltigkeit nach Bonn geholt. Eine kluge Entscheidung, sie als Türöffnerin zu engagieren, applaudiert sogar Rico Back, der Chef des Paket-Konkurrenten GLS.

Wulf-Mathies leitet ein 20-köpfiges Team in Berlin, Brüssel, Washington und Bonn. „Ich sehe meine Aufgabe vor allem darin, Politikern weltweit die Auswirkungen politischer Entscheidungen auf die Entwicklung des Unternehmens zu erläutern“, sagte sie dem Handelsblatt.

Mitte März ist Wulf Mathies 65 Jahre alt geworden. Doch der Ruhestand muss warten. Wenn in Brüssel über die Postliberalisierung und in Berlin über Mindestlöhne diskutiert wird, ist sie gefordert. Zumwinkel habe sie gebeten, länger zu bleiben, sagt sie. „Da ich mich fit und belastbar fühle, habe ich mich gerne bereit erklärt, meinen Vertrag noch einmal zu verlängern.“ Mindestens bis Mitte kommenden Jahres bleibt MWM, so ihr internes Post-Kürzel, heißt es im Konzern.

Und prompt legt sie wieder los: „Wer unter unfairen Bedingungen den Markt vollständig öffnen will, setzt Tausende Arbeitsplätze bei der Deutschen Post aufs Spiel“, wiederholt sie die wirksamste Drohung des Post-Chefs. „Lohndumping“ und das Hinauszögern der Marktöffnung in Ländern wie Frankreich bereiten der Post Kopfzerbrechen. Der Gewinn kommt mächtig unter Druck.

Doch noch ist nicht alles verloren. Denn es ist wohl weniger ein glücklicher Zufall als MWMs Verdienst, dass die Post in Arbeitsminister Franz Müntefering und Finanzminister Peer Steinbrück (beide SPD) zwei prominente Fürsprecher in der Regierung gefunden hat. Schließlich ist Wulf-Mathies seit 40 Jahren SPD-Mitglied und wurde für Ministerposten im Kabinett Schröder gehandelt.

Über die Einführung von Mindestlöhnen in der Postbranche wird bereits diskutiert. Letztendlich werden damit neue Hürden für die Wettbewerber der Post errichtet.

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