Monte dei Paschi-Sprecher: „Ich habe Mist gebaut“

Monte dei Paschi-Sprecher
„Ich habe Mist gebaut“

Der Skandal um Monte dei Paschi di Siena fordert ein erstes Opfer: Der Kommunikationschef der Traditionsbank stürzte sich aus einem Büro-Fenster. Mit dem Selbstmord nimmt die Affäre eine dramatische Wendung.
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Mailand„Ich habe Mist gebaut“, steht auf dem Zettel, den David Rossi hinterlassen hat. Entdeckt hat den Selbstmord sein Sekretär, als er in sein Büro kam und das Fenster offen stand. In einer Seitenstraße der Rocca Salimbeni, wie die Festung heißt, in der die Bank ihren Sitz hat, lag der leblose Körper des 52-Jährigen.

Mit dem Selbstmord nimmt der Skandal um die Traditionsbank eine dramatische Wendung. In dem Fall geht es zum einen um den viel zu teuren Kauf der Banca Antonveneta. Die Staatsanwälte untersuchen, ob im Zusammenhang mit der Übernahme Schmiergelder an Manager geflossen sind. Zum anderen geht es um Derivate, die unter anderem die Deutsche Bank und Nomura der italienischen Bank verkauft haben sollen, um Verluste zu verstecken und somit die Bilanz zu fälschen.

Außerdem haben sich Manager persönlich bereichert: Die sogenannte Fünf-Prozent-Bande hat bei verschiedenen Finanztransaktionen die Hand aufgehalten und fünf Prozent der Kommissionen kassiert. All das ist unter der Führung von Giuseppe Mussari als Präsident passiert. Heute dagegen sitzen Alessandro Profumo als Präsident und Fabrizio Viola als Vorstandsvorsitzender an der Spitze.

Gegen David Rossi war bisher nicht ermittelt worden. Dennoch haben die Staatsanwälte vor zwei Wochen das Büro und das Zuhause des Sprechers durchsuchen lassen. Angeblich wollten sie wissen, ob Rossi als Kontakt zwischen dem Ex-Management und noch verbliebenen Managern fungierte, die im Prozess aussagen sollten. Aber das sind bisher reine Hypothesen. Gegenüber Kollegen hat er in den vergangenen Tagen gesagt, dass er sich nicht erklären könne, was die Staatsanwälte von ihm wollen. 

Rossi war schon unter dem ehemaligen Präsidenten Giuseppe Mussari als Pressesprecher an Bord. Er galt als enger Vertrauter und hatte auch schon für Mussari gearbeitet, als der noch der Stiftung vorsaß, die als Aktionär die Bank kontrollierte. Dennoch haben Profumo und Viola an Rossi festgehalten, obwohl sie mehr als 100 Manager weggeschickt haben. Rossi schien bisher mit den Skandalen, die nun hochkommen, nichts zu tun gehabt zu haben.

Noch Ende Januar war Rossi mit dem neuen Vorstandsvorsitzenden Viola zum Verein der Auslandspresse gekommen, um die internationalen Journalisten zu treffen. Auch damals hatte er genug von den Skandalen, Enthüllungen und ständigen negativen Schlagzeilen: „Am liebsten würde ich mich aufs Land zurückziehen und Bauer werden“, sagte er. Nun hat er sich das Leben genommen.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin

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  • Jemand wird tot auf der Straße gefunden und man sagt sofort Selbstmord.
    Ich muss da immer an den Banker des Vatikans denken, den man erhängt unter einer Brücke in London gefunden hat.
    Es kann auch sein, dass er zuviel wusste.
    Bin da skeptisch.

  • Der Typ hat keinen Selbstmord begangen, sondern er wurde aus dem Fenster geworfen, weil er zuviel wusste. Ein Kommunikationschef hat selbst nur wenig operative Verantwortung und wäre daher auch für nichts zu belangen gewesen. Er ist aber typischerweise der am besten informierte Mitarbeiter in einem Unternehmen. Und deshalb wurde er ermordert. Die Polizei ist natürlich bestochen worden und wird deshalb in diese Richtung nicht ermitteln.

  • @Bayernskorpion

    Wie, ein Mensch hat sich getötet? Ich denke, es war ein Banker?
    Meinen Sie ein Banker hat Mitleid mit einem Menschen, den er durch windige Geschäfte um sein gesamtes Vermögen gebracht hat? Meinen Sie ein Banker hat Mitleid mit einem Menschen, dem er ein seltsames Hausfinanzierungsmodell verkauft hat, dass der Mensch dann nicht mehr bedienen kann und deshalb auf der Straße sitzt? Am besten noch mit der Bürgschaft von Oma und Opa, die dann ihr Haus auch noch verlieren und dann alle zusammen auf der Straße sitzen, während z.B. Merkel mit Bankchef Ackermann auf Steuerzahlerkosten im Bundeskanzleramt eine Sause feiert.

    Kommen Sie bloß niemanden mehr mit den Begriffen Anstand, Ethik und Moral!! Banker und Politiker haben sich als erstes von diesen Wertvorstellungen verabschiedet. Wer sich noch von sowas einlullen lässt, der hat noch nicht kapiert, in welcher Welt wir inzwischen leben.

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