Morgan Stanley
Aufstieg in die Bankenelite

Hans Jörg Schüttler ist neuer Asienchef der internationalen Investmentbank Morgan Stanley. Der 50-jährige war bereits Ende 2004 zum Deutschlandchef aufgestiegen. Jetzt ruft New York.

HB FRANKFURT. Ein Mann, ein Name, eine Blitzkarriere: Hans Jörg Schüttler. Der kantige, geradlinige Deutsche steigt bei Morgan Stanley im Halbjahrestakt auf. Jetzt beruft ihn der Vorstandschef der internationalen US-Investmentbank, John Mack, zum neuen Asienchef. Der 50-jährige nimmt die Herausforderung an, die ihm sicherlich nicht leicht fällt. Schüttler ist „in Deutschland tief verwurzelt“, wie ein Weggefährte sagt. Vor allem hier zu Lande und im restlichen Europa erzielte er seine Erfolge. Doch wenn New York ruft, dann gibt es nicht viel zu überlegen. So eine Chance kommt nur einmal im Leben.

Für den Badener als überzeugten Morgan-Stanleyianer waren die letzten Monate Fluch und Segen zugleich. Fluch, da der Aufstand von Großaktionären sowie ehemaligen Top-Managern die Bank an der Spitze in New York fast zerriss und zum Rücktritt von Macks Vorgänger Philip Purcell führte. Eigenschaften wie Loyalität und Integrität, die Schüttler hoch hält und neuen Bankern gleich zu Beginn eingeimpft werden, zählten plötzlich nicht mehr. Dutzende frustrierter Spitzenbanker kehrten dem Haus den Rücken. Darunter befinden sich Legenden wie der Wall-Street-Veteran Joseph Perella. Perella hatte zusammen mit Bruce Wasserstein in den achtziger Jahren die Banken-Boutique Wasserstein, Perella & Co gegründet, die später von der Dresdner Bank gekauft wurde. Er versucht nach seinem Abgang zusammen mit weiteren Hochkarätern erneut eine Boutique aufzubauen und Morgan Stanley ordentlich einzuheizen.

Andererseits macht der Amerikaner Mack (Spitzname: Mackie Messer) „aus der Not eine Tugend“, wie es in der eigenen Bank heißt. Die durch Abgänge an wichtigen Positionen freigewordenen Stellen besetzt er mit Leuten aus den eigenen Reihen. Dabei fällt auf, dass er ein Faible für Kapitalmarktexperten hat, zu denen auch Schüttler gehört. Der Jurist war bereits vor der Aktionärsrevolte nach 15 Jahren bei Morgan Stanley Ende 2004 zum Deutschlandchef aufgestiegen. Ein halbes Jahr später profitierte er vom gravierenden Umbau unter Mack und rückte zusätzlich auf den Posten des Co-Chefs im Investment-Banking in Europa auf.

Auf beides verzichtet „der typische Deutsche“, wie ihn ein Konkurrent beschreibt, um das Asiengeschäft als Chief Executive Officer (CEO) voranzutreiben. Während Dagmar Kollmann (41) nun Deutschland leitet, soll Schüttler mit dem Chairman und bisherigen CEO in Asien, Alasdair Morrison, Deals einfädeln. Chef Mack erwartet, dass Schüttler von Hongkong aus in Europa erzielte Erfolge wie Mandate für Aktienplatzierungen von Post und Telekom oder Fusionen wie im Fall Commerzbank und Eurohypo wiederholt und die Kollegen dort zusammenschweißt. Aus der Wachstumsregion Indien, China, Hongkong, Südkorea, Taiwan & Co. sollen künftig noch mehr gute Nachrichten für Morgan Stanley kommen. Zunächst wird er aber „viele, viele Gespräche“ mit Kollegen führen, wie er selbst sagt.

Schüttler selbst stieg durch seine Beförderung in den Kreis der wenigen Deutschen auf, die eine starke Position in US-Banken besitzen. Dazu gehören Klaus Diederichs und Christian Meissner von JP Morgan Chase und Lehman Brothers sowie Alexander Dibelius von Goldman Sachs.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
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