Morgan Stanley
Gorman: Der erfolgreiche Aufräumer

Die Überraschung ist geglückt. James Gorman rückt bei Morgan Stanley an die Spitze. Der harte Sanierer und Spezialist für die Vermögensverwaltung übernimmt am 1. Januar das Ruder bei Morgan Stanley. Warum Gorman ein schwieriges Erbe antritt.

FRANKFURT/NEW YORK. Der derzeitige Leiter des Brokergeschäftes tritt damit die Nachfolge von Bankchef John Mack an. Mit dieser Ernennung hatte zum jetzigen Zeitpunkt niemand gerechnet – auch nicht im internen Führungszirkel. Gorman tritt ein schwieriges Erbe an, denn Morgan Stanley kämpft noch immer mit den Folgen der Finanzkrise und hatte anders als die US-Konkurrenten im zweiten Quartal einen Verlust von 1,26 Mrd. verbucht.

Wenngleich der Zeitpunkt überrascht, dass es Gorman geschafft hat, kommt der Schritt nicht von ungefähr. Der Australier zählte seit Macks Ankündigung, sich zu seinem 65. Geburtstag im November zurückzuziehen, zu den heißen Kandidaten für die Nachfolge. Er war durch den Abgang von Co-Präsidentin Zoe Cruz in die Führungsriege der Bank aufgestiegen. Cruz, die wegen ihres harten Auftretens unbeliebt war, wurde 2007 Opfer einer Personalrochade und trat zurück. Ihr folgte neben Gorman auch Walid Chammah als Co-Präsident. Im Kampf um die Spitze konnte sich der 51-jährige Gorman nun durchsetzen. Dabei ging es um eine Richtungentscheidung: weg von einem von der Investmentbank beherrschten Institut, hin zur Wertpapierberatung, zum größten Brokergeschäft der Welt. Durch die angekündigte Zusammenlegung des Brokergeschäftes von Citigroup und Morgan Stanley besitzt das Institut mit rund 25 000 Mitarbeitern in etwa 2 000 Filialen eine Mannschaft in allen Ecken der Welt, die bislang noch für mehr als 20 Prozent der Gewinne des Konzerns steht – Tendenz steigend. Die Wahl Gormans ist für die Konkurrenten ein Zeichen dafür, dass die Bilanz- und die Risikostruktur der Bank künftig weiter stabilisiert, heruntergefahren und konservativer ausgerichtet werden soll.

Gorman, der an der Wall Street als distanziert gilt und das „James“ dem familiäreren „Jim“ vorzieht, gilt als schneller Denker. Als Anwärter auf den Spitzenposten wurde der Mann mit Sanierungserfahrung deshalb bereits gekürt, als er 2005 die Reorganisation des Privatkundengeschäft übernahm. Dort setzte er Rezepte um, die er schon bei seinem vorherigen Arbeitgeber Merrill Lynch erfolgreich angewandt hatte. Er warb Topleute bei der Konkurrenz ab, erweiterte die Produktpalette und konzentrierte die Beratungsleistung auf reichere Privatkunden. Das war ein Kulturbruch. Denn das Wertpapierhaus Dean Witter, dessen Übernahme 1997 den Kern von Morgan Stanley bildete, hatte sich traditionell auf Mittelstandskunden konzentriert.

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