Morgan Stanleys Co-Präsident
Chammah: Ein Mann will nach ganz nach oben

Walid Chammah, Morgan Stanleys Co-Präsident, will im kommenden Jahr die Nummer eins bei der amerikanischen Investmentbank werden. Doch der Manager, den mit Deutschland mehr als nur seine Vorliebe für weißen Spargel verbindet, hat drei harte Konkurrenten für den Spitzenjob.

FRANKFURT. Walid Chammah gibt sich entspannt. Sein Gesicht zeigt keine Spuren mehr von der Finanzkrise. Nichts mehr zu sehen von den vielen Feuerwehreinsätzen. Die musste er als Co-Präsident von Morgan Stanley und damit als Nummer zwei hinter Bankchef John Mack an vielen Ecken und Enden leisten. Zeitweise stand die Bank nach der Pleite von Lehman Brothers im September vergangenen Jahres sogar auf der Kippe, als Spekulanten den Aktienkurs des Instituts ohne Grund nach unten prügelten. Es fehlte nicht viel und der Name Morgan Stanley wäre aus der Liste der mächtigsten Banken der Welt gelöscht worden, wie schon Bear Stearns oder Merrill Lynch.

Doch die harten Zeiten sind vorbei. Ganz so, wie es das Karrierehoroskop dem Mann mit dem Sternzeichen Widder prophezeite.

Anfang 2009 warnten ihn die Sterne vor einem frustrierenden Jahr. Astrologen rieten Finanzmanager "für dauerhafte Gewinne zu arbeiten". Er solle an ein Schachspiel denken, in dem vorsichtige Züge angesagt seien mit dem Ergebnis, dass er am Ende vorankommen werde. Der 55jährige Libanese stürzte sich in die Arbeit und könnte schon im nächsten Jahr die Früchte ernten.

Denn dann steht die Nachfolge von Morgan-Stanley-Chef John Mack (Spitzname "Mack the Knife") an, dessen Vertrag ausläuft. Nachfolger könnte Chammah werden, der Mann mit dem warmen, gewinnenden Lächeln, der als einer der Top-Kandidaten gilt und mit dem er die libanesischen Wurzeln teilt. Die könnten ein Vorteil sein, sagen Beobachter.

Seine härtesten Konkurrenten für einen der Spitzenjobs in der Bankenwelt sind neben dem zweiten Co-Präsidenten James Gorman und Finanzvorstand Colm Kelleher auch der Chef des Investment-Bankings, Paul Taubman, einem bekennenden Fan von Barack Obama, der zu Gesprächen schon einmal Muffins mit dem Konterfei des US-Präsidenten mitbringt.

Viel Konkurrenz für den Weltenbürger, den der Niedergang einer Kollegin nach oben brachte. Hochgespült wurde der Mann mit dem nach hinten gekämmten, weißen, gelockten Haaren durch den Abgang von Zoe Cruz. Die wegen ihres harten Auftretens auch "Cruz Missile" genannte Managerin wurde Opfer des großen Personalkarussells bei Morgan Stanley im Jahr 2007 und trat zurück. Ihr folgten neben Gorman auch Chammah, der als Maronit zu einer der größten und ältesten Religionsgemeinschaften im Libanon gehört. "Bis jetzt hat er fast alles richtig gemacht", sagen Wegbegleiter über den Mann mit der braunen Hornbrille und der Liebe zu Zigarren.

Zigarren sind ein Thema bei dem Chammah schon einmal ins Schwärmen gerät, während er eine dicke Jubiläums-Havanna Ramon Allones, Phoenicia aniversario in der Hand hält und begeistert den Geruch der Tabakblätter einzieht. In diesem Augenblick kommt sie durch, die Geschmeidigkeit des Libanesen wie auf einem levantinischen Basar.

Doch der weltweit vernetzte Manager hat mehr zu bieten. "Er versteht es, auf Menschen einzugehen, Vertrauen zu bilden und sie in Grenzbereichen richtig einzuschätzen", sagt ein Kollege. Mit ein Grund dafür, dass der Deutschlandfan als einer der entscheidenden Manager, die Bank aus der Krise gesteuert hat. Mit Deutschland verbindet ihn nicht nur seine Vorliebe für weißen Spargel und die Ehe mit der "Glühbirnenbaronin", der Österreicherin Karin Der Banker ist beispielsweise auch stolz darauf, die KfW Bankengruppe in den 80er Jahren mit ihrer ersten Dollaranleihe auf die internationale Bühne begleitet zu haben.

Doch wenn er wirklich den Chefsessel erklimmt, wird dem charmanten Libanesen nur wenige Zeit bleiben, seine Liebe zu Deutschland zu pflegen.

Kurzvita

1954: Walid Chammah wird am 12. April in Beirut im Libanon geboren.

1976: Abschluss an der American University of Beirut mit einem Bachelor of Business Administrations. 1977: Masters Degree an der American Graduate School of Int. Management.

1978: Start bei First Boston, am Ende Managing Director für strukturierte Finanzierungen.

1993: Wechsel zu Morgan Stanley, Chef der Abteilung Debt Capital Markets.

2002: Leiter Abteilung Global Capital Markets.

2005: Chef des Investment-Banking.

2007: Co-President von Morgan Stanley mit Zuständigkeit für das Institutionelle Wertpapiergeschäft.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
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