Motorola-Chef Ed Zander
Sieger mit Galgenfrist

Nach schlechten Ergebnissen ist Motorola-Chef Edward Zander angezählt. Zwar konnte er sich im Ringen um die zukünftige Strategie des US-Technologiekonzerns durchsetzen, die Ergebnisse des Unternehmens sind jedoch ernüchternd. Jetzt muss der drahtige New Yorker den Konzern aus der Krise führen.

PORTLAND. Im bitteren Ringen um die Strategie des US-Technologiekonzerns Motorola Inc. aus Schaumburg bei Chicago hat sich Konzernchef Edward Zander gegen den Großaktionär Carl Icahn durchgesetzt. Die beiden Kontrahenten hatten sich gesucht und gefunden. Zander ist seit Januar 2004 Chief Executive und Verwaltungsratsvorsitzender von Motorola, Milliardär Carl Icahn erwarb eine Beteiligung von 2,9 Prozent an Motorola und forderte einen Sitz im Verwaltungsrat. Beide sind typische New Yorker mit einem feinen Riecher für Geld und einem hoch entwickelten Sinn für geschäftlichen Nahkampf.

Vor der Motorola-Hauptversammlung am Montag scheuten sie in offenen Briefen und Zeitungsanzeigen auch vor persönlichen Angriffen nicht zurück. Icahn wetterte: „Wenn Zander die finanziellen Ziele nicht erreicht, sollte ihn der Verwaltungsrat feuern.“ Der öffentlich ausgetragene Streit spaltete auch institutionelle Anleger. Am Ende konnte sich Icahn jedoch nicht durchsetzen. Nach dem Abstimmungsergebnis reichte es nicht für den Einzug in Motorolas Verwaltungsrat. Icahns Niederlage ist indes kein großer Sieg für Zander.

Nach schlechten Ergebnissen ist der drahtige Motorola-Chef mit dem breiten Lächeln und dem unüberhörbaren New Yorker Akzent angezählt. Im ersten Quartal rutschte der Konzern ins Minus, trotz heftiger Preissenkungen verlor er Marktanteile im größten Geschäftsbereich Mobiltelefone. Und der Aktienkurs sackte seit Oktober vergangenen Jahres um fast ein Drittel ab. Zander zog mit der Ankündigung von 3 500 Entlassungen die Zügel straff und rückte die Stühle an der Spitze, aber bislang fehlen attraktive neue Produkte, um sich gegen mächtige Konkurrenten zu behaupten, zu denen ab Juni auch Apple gehören wird.

Zander, der zuvor lange Jahre beim IT-Konzern Sun Microsystems gearbeitet hatte und 1998 schließlich zur Nummer zwei hinter Scott Mc Nealy aufgestiegen war, hatte sich im Juli 2002 schon einmal in den Ruhestand verabschiedet. Bei Sun hatte er nach dem Platzen der Internet-Blase keine Zukunftsvision entwickeln können. Kurze Zeit später ließ er sich dann aber vom High-Tech-Investmentfonds Silver Lake Partners als Geschäftsführer anheuern. Als der Verwaltungsrat von Motorola Ende 2003 einen neuen Chef suchte, der den rapiden Abstieg des Traditionsunternehmens aufhalten könnte, kam Außenseiter Zander zum Zuge und wurde 2004 Nachfolger des Gründerenkels Christopher Galvin.

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