Motorola
Der Regelbrecher

Greg Brown löst den umstrittenen Ed Zander an der Spitze von Motorola ab. Der neue Vorstandschef muss sich vor allem um eines kümmern: die Marktanteilsverluste der Mobiltelefonsparte stoppen. Der erfahrende Sanierer soll den angeschlagenen US-Technologiekonzern wieder dauerhaft in die Gewinnzone führen.

PORTLAND. Natürlich hätte Greg Brown auf Nummer sicher gehen und die Karrieretipps von Personalberatern befolgen können. Einer ihrer häufigsten Ratschläge lautete: Wenn du einmal an der Spitze eines Unternehmens bist, dann behalte den Job. Eine erneute Chance, Konzernchef zu werden, bekommst du möglicherweise nicht.

Hätte sich Brown daran gehalten, wäre er heute immer noch Vorstandsvorsitzender des Software-Entwicklungskonzerns Micromuse. Doch der 47-Jährige gibt offenbar nichts auf die Erfahrungswerte und Regeln von Personalberatern: Er wechselt zu dem angeschlagenen US-Technologiekonzern Motorola. Fast vier Jahre später zahlt sich dieser Schritt aus: Zum 1. Januar steigt Brown auf und übernimmt den Motorola-Vorstandsvorsitz von Edward Zander.

Brown habe die dafür notwendigen Fähigkeiten, er gehöre eindeutig zu den kommenden Stars in der amerikanischen Unternehmenslandschaft, schrieb das Wirtschaftsmagazin „Fortune“ bereits vor mehr als einem Jahr. Motorola müsste allerdings Browns Verantwortungsgebiet langsam erweitern, ansonsten werde er sich wohl einen neuen Job suchen.

Das ist jetzt nicht mehr notwendig. Zu seinem erweiterten Verantwortungsgebiet gehört künftig vor allem eins: Greg Brown muss Motorolas Probleme im Geschäft mit Mobiltelefonen lösen und die Marktanteilsverluste stoppen.

Der US-Konzern war jahrelang weltweit die Nummer zwei unter den Handyherstellern – hinter dem finnischen Konkurrenten Nokia. Nach Angaben der Marktforschungsgesellschaft Gartner ist Motorola inzwischen aber auf den dritten Platz gerutscht und damit hinter Samsung aus Südkorea.

Dabei sah es vor gar nicht allzu langer Zeit so aus, als ob Motorola sich gar näher an den Marktführer Nokia ranpirschen könnte – dank seines Erfolgsmodells „Razr“. Seit seiner Einführung verkaufte der US-Hersteller mehr als 100 Millionen dieses extrem flachen Geräts, das damit zum meistverkauften Handy wurde. Pläne dafür lagen bereits in der Schublade, als Zander Anfang 2004 auf den Chefsessel rückte.

Zu jener Zeit hatte das Traditionsunternehmen unter Führung des Gründerenkels Christopher Galvin mehrere Krisenjahre hinter sich. Galvin und sein Chief Operating Officer Mike Zafirovski hatten Werke geschlossen, mehr als 50 000 Stellen gestrichen, die Entflechtung der Chipsparte eingeleitet und begabte Designer angeheuert, die das „Razr“ entwickelten. Zander, der als High-Tech-Guru und Retter empfangen wurde, vollendete die Abspaltung der Chipsparte und gab freie Bahn für die Produktion des „Razr“. Das Handygeschäft wurde schnell zur tragenden Säule des Konzerns.

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