MTU-Chef Udo Stark
Abgang ohne Abfindung

Eigentlich wollte MTU-Chef Udo Stark sein Ausscheiden erst in einigen Monaten verkünden. Nun hat er seine Meinung über Nacht geändert. Der überraschende Abgang von Stark ist mehr als der Wechsel an der Spitze eines börsennotierten Zulieferers der Luftfahrtindustrie.

STUTTGART / MÜNCHEN. So schnell kann es gehen. „Im zweiten Quartal“, sagt Udo Stark am Dienstag im Haus der Bayerischen Wirtschaft, da werde er mehr zu seiner anstehenden Vertragsverlängerung als MTU-Chef sagen. Keine 24 Stunden nach der Bilanzpressekonferenz läuft bereits über den Ticker, dass der 59-Jährige bereits Ende des Jahres aufhören wird.

Es war offensichtlich ein Artikel in der „Süddeutschen Zeitung“, der den stämmigen Mann mit dem streng gescheitelten, weißgrauen Haar dazu brachte, sich früher als geplant aus der Deckung zu wagen. Denn in dem gestern erschienenen Beitrag heißt es, die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat von MTU forderten die Ablösung Starks. Zu wenig Branchenkenntnis habe der Norddeutsche. „Absoluter Unsinn“ sei das, konterte der Münchener Triebwerkhersteller.

Und doch. Um eine Diskussion über seine Person gar nicht erst aufkommen zu lassen, gab Stark umgehend seinen Rückzug bekannt. „Zu meinem in diesem Jahr anstehenden 60. Geburtstag sehe ich den richtigen Zeitpunkt gekommen, um meine Vorstandstätigkeit zu beenden und bei der MTU einen Generationswechsel einzuleiten“, teilte Stark in dürren Worten mit. Die Entscheidung stand schon länger fest, sie sei „nicht über Nacht gefallen“, sagte ein MTU-Sprecher. Nur verkünden wollte sie Stark jetzt eigentlich noch nicht. Denn bis Jahresende ist noch viel Zeit.

Der überraschende Abgang von Stark ist mehr als der Wechsel an der Spitze eines börsennotierten Zulieferers der Luftfahrtindustrie. Kaum eine Managerpersönlichkeit in Deutschland ist so umstritten wie Stark. Das liegt daran, dass es ganz wenige gibt, die so schwer zu fassen sind. Für viele ist der zweifache Vater der Firmenzerleger schlechthin. Stark, der in Deutschland und den USA Betriebswirtschaftslehre studierte und seine Karriere beim Textilfaserhersteller Enka begann, hat die Frankfurter Agiv 1999 zerschlagen und in Einzelteilen verkauft – auf Druck des Großaktionärs BHF Bank und gegen den Willen vieler Kleinaktionäre.

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