Münchener Kaffee-Haus hat die Nachfolge geregelt
Blaue Blusen und viel Tradition

Wolfgang Wille zieht die Augenbrauen hoch. Nein, verkaufen wolle er das Unternehmen nicht, sagt der Chef des Kaffee- und Delikatessen-Imperiums Dallmayr. Und der grauhaarige 64-Jährige vermittelt mit seinem Lächeln den Eindruck, als sei alleine der Gedanke schon absurd.

MÜNCHEN. Tradition steht im berühmten Stammhaus mit der weiß-gelben Stuckfassade in der Dienerstraße im Herzen Münchens, die jedes Kind aus der Fernsehwerbung kennt, hoch im Kurs. Unten verkaufen wie vor hundert Jahren Mitarbeiterinnen in blauen Blusen und weißen Schürzen Delikatessen und Kaffee, im ersten Stock ist ein Schlemmerrestaurant. Der gute Namen der Firma ist das größte Kapital. Und das setzt Dallmayr massiv im Marketing ein, das sich die Firma rund 20 Millionen Euro im Jahr kosten lässt. „Unsere Werbebotschaften bleiben konstant. Das ist glaubhaft und funktioniert“, lautet das Familienmotto.

Auf eine über 300-jährige Geschichte kann die Firma Alois Dallmayr zurückblicken. Denn schon im Jahr 1700 wurde das erste Handelsgeschäft gegründet, 1870 übernahm dann der Kaufmann Alois Dallmayr die Geschäfte und gab der Firma ihren inzwischen in ganz Deutschland bekannten Namen. 1895 übernahm die Familie Randlkofer das Ruder, 1933 kam der Bremer Kaffeekaufmann Konrad Wille dazu.

Noch heute befindet sich das Traditionshaus im Besitz der beiden Clans. Wolfgang Wille führt zusammen mit Georg Randlkofer die Firma. Die Nachfolge ist bereits geregelt. Willes Schwiegersohn Johannes Dengler, heute schon Vertriebsleiter und Prokurist, soll einmal die Kaffeegeschäfte führen. Auch die beiden Töchter Willes sind im Unternehmen aktiv, genau wie Randlkofers Sohn und dessen Frau. Nachfolgeprobleme, wie sie viele Familienunternehmen quälen, sind im Hause Dallmayr unbekannt.

Dabei ist Dallmayr inzwischen zu einem kleinen Imperium mit 1 600 Mitarbeitern und über 450 Millionen Euro Umsatz geworden. Größte Sparte ist das Röstkaffeegeschäft, an dem der Nahrungsmulti Nestlé mit 25 Prozent beteiligt ist. Hinter Kraft Foods („Jakobs Krönung“), Tchibo, Melitta und Aldi sind die Münchener auf Platz fünf im deutschen Kaffeemarkt. Als Marktführer bezeichnet sich Dallmayr bei Kaffeedienstleistungen für Großkunden. 40 000 Kaffeeautomaten in acht Ländern spucken täglich Tausende Tassen frischen Kaffee aus. Am kleinsten ist das frühere Kerngeschäft mit Delikatessen und der Partyservice.

Preiskampf und beinharte Konkurrenz machen der Familienfirma zwar schwer zu schaffen. Doch die Gewinne, betonte Wille, seien noch immer „zufriedenstellend“.

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