Münchner traf den Geschmack junger Kunden
Heinrich Hugendubel nach langer Krankheit gestorben

Heinrich Hugendubel - der Erfinder des Buchkaufhauses - ist tot. Er sei bereits am vergangenen Donnerstag in München gestorben, teilte am Montag seine Familie mit. Der Urenkel des Firmengründers war einer der bekanntesten und größten Buchhändler im deutschsprachigen Raum.

HB MÜNCHEN. Heinrich Hugendubel, einer der ganz Großen seiner Zunft, soll im engsten Familienkreis beigesetzt werden, die Trauerfeier ist für den 22. April in der Münchner Pfarrkirche St. Anna geplant. Er wurde 68 Jahren alt.

Hugendubel baute das seit weit mehr als 100 Jahren bestehende Familienunternehmen mit seinen heute 32 Filialen an 16 Standorten und 1100 Mitarbeitern zur größten konzernunabhängigen Buchhandelskette Deutschlands aus. Als der gebürtige Münchner 1979 am Marienplatz gegenüber dem Münchner Rathaus mitten in einer wirtschaftlichen Depression die damals größte Buchhandlung in Deutschland eröffnete, legte er nicht nur den Grundstein für ein rasantes Wachstum. Seine Idee, Bücherkaufen zu einem Erlebnis zu machen, gab auch den Anstoß für den „Buchhandel moderner Prägung“, wie es die Branchenzeitschrift Buchmarkt formulierte. Der studierte Buchhändler setzte auf die Kombination von Selbstbedienung und frei wählbarer Informationsleistung.

Mit Lese-Inseln, Sofas und Espressobar kam er vor allem dem Geschmack junger Menschen entgegen. In Spitzenzeiten strömten bis zu 60 000 Besucher am Tag in das Buchkaufhaus mit seinen über 110 000 Titeln. Inzwischen hat Hugendubel allein in München neun Filialen. In einem vom Fachmagazin „buchreport“ erstellten Ranking der 100 größten deutschen Buchhandlungen lag Hugendubel 2004 auf Platz drei hinter Thalia und Weltbild plus. Dabei verzeichnete die Hugendubel-Kette ein Umsatzplus von 4,8 % auf 226,5 Mill. €.

Doch nicht nur beim Bücherverkauf, auch bei den Verlagen mischte der in der Öffentlichkeit eher zurückhaltende Großbuchhändler kräftig mit. So beteiligte er sich je zur Hälfte an den Verlagen Ariston, Diederichs, Irisana und Kailash. Am Schweizer Marktführer Orell Füssli in Zürich hält Hugendubel 40, an der Nummer zwei im Buchhändler-Ranking, der Billigkette Weltbild plus, 50 %. Auch für seine Nachfolge hat der umsichtige Seniorchef, der immer getreu dem Motto „Stillstand ist Rückschritt“ gehandelt hat, die Weichen bei Zeiten gestellt und seine beiden Kinder frühzeitig ins Unternehmen geholt.

Für seine unternehmerischen Leistungen wurde Hugendubel, der mit 23 Jahren in die elterliche Buchhandlung eintrat und sein Handwerk von der Pike lernte, vielfach geehrt - zuletzt 2004 mit dem Bundesverdienstkreuz. Dies war auch gleichzeitig einer seiner letzten öffentlichen Auftritte. 1999 verlieh ihm die Branche den Titel „Buchhändler des Jahrhunderts“, seine Heimatstadt ehrte ihn 2001 mit der Medaille „München leuchtet“ in Gold.

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