Muhammad Yunus: Westen muss Yunus gegen Intrigen schützen

Muhammad Yunus
Westen muss Yunus gegen Intrigen schützen

Nobelpreisträger Muhamad Yunus wurde als Chef der Grameen Bank abgelöst. Sein Image ist angekratzt. Die deutschen Unternehmen sollten dennoch weiter mit ihm zusammenarbeiten. Ein Kommentar von Thorsten Giersch.
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Muhamad Yunus ist nicht mehr Chef der Grameen-Bank. Was mit dem Friedensnobelpreistrager von 2006 passiert, ist ein Trauerspiel, das Millionen Menschen sehr schaden könnte. Denn es gibt nur wenige einflussreiche Kämpfer für die Rechte der Ärmsten, die auch noch eine Lobby im Westen haben.

Die Grameen Bank leiht seit 25 Jahren auch den ärmsten der Armen Geld - vor allem Frauen. Diese Mikrokredite helfen Familien, auf die Beine zu kommen und ein kleines Geschäft aufzunehmen. Die Rückzahlquote ist extrem hoch.
Zahlreiche Geldhäuser in aller Welt haben das Prinzip der Grameen Bank kopiert - und zum Teil missbraucht. Denn nicht alle Institute handelten nach den strengen moralischen Prinzipien der Grameen Bank. Es kam wegen Wucherkrediten sogar zu Selbstmorden. Dadurch wurde auch Kritik an Yunus und den Mikrokrediten generell laut.

Diese Chane nutzte Sheikh Hasina, die Ministerpräsidentin von Bangladesch. Ihr war Yunus seit langem ein Dorn im Auge: 2007, als in Bangladesch übergangsweise das Militär an der Macht war und Sheikh Hasina unter Hausarrest stand, überlegte Yunus, eine eigene Partei zu gründen. In den vergangenen Jahren bezeichnete er die Regierung schon mal als "korrupt". Mit seiner Absetzung hofft Hasina offenbar, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Yunus als potenziellen Kontrahenten loszuwerden und sich die Grameen Bank einzuverleiben.

Schließlich ist das Institut das Aushängeschild des Landes: In aller Welt fiel den Menschen nur die Grameen Bank ein, wenn sie nach etwas Positivem an Bangladesch gefragt wurden. Einst hielt der Staat 60 Prozent an dem Geldhaus, jetzt nur noch fünf Prozent. Yunus selbst hatte immer wieder gewarnt, dass die jetzige Regierung die Bank wieder an sich reißen wolle.

Der Westen muss mit scharfem Auge darauf achten, was mit der Grameen Bank passiert. Yunus Grundprinzip ist, dass das Institut keine Gewinne erwirtschaften darf. Doch dazu wäre es durchaus in der Lage. Und die Regierung könnte dieses Potenzial nutzen - zum Nachteil der Armen.

Der Westen - seien es Regierungen oder Unternehmen - sollte Yunus weiter als Ideengeber und Experten unterstützen. Denn er hat in den vergangenen 25 Jahren enorm viel erreicht. Auch die deutschen Konzerne, darunter BASF und Adidas, die mit Yunus im Rahmen seines Social-Business-Projektes zusammenarbeiten, sollten sich von den Querelen nicht beeinflussen lassen.

Yunus hat stets gesagt, dass es neben dem Unternehmergeist auch einen Staat braucht, der die schwarzen Schafe aussortiert, die nur zum Schein den Armen helfen, aber sich tatsächlich an ihnen bereichern. Natürlich macht so ein umtriebiger Mensch auch Fehler und es gibt immer wieder Punkte, die man an seinem Engagement aussetzen kann. Aber die Armen brauchen diese wenigen Ideengeber mit Einfluss.

Thorsten Giersch
Thorsten Giersch
Chefredakteur Business bei der Verlagsgruppe Handelsblatt / Geschäftsführer digital bei planet c

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  • Das Muhammad Yunus 2006 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, warf ein ums andere mal, wieder ein etwas seltsames Licht auf diesen Preis. Was war an dem Konzept des Mikrokredits eigentlich so revolutionär? Bei genauerem hinsehen bleib eigentlich nur noch die eben kleine Summe des Kredtibetrags. Am Grundsatz der reditvergabe, hohe Risiken - sprich schlechte Bonität - sich mit einem entsprechenden Aufgeld, eben höherem Zins versüssen zu lassen, hatte sich im Prinzip ja bewahrt.
    Trotzdem wure Yunus als Heilsbringer und Menschenfreund hofiert, während sich bei tausenden von Mikrokreditnehmern durch den astronomischen Zins von
    20% und mehr die Schlinge um den Hals immer enger zog.

    Das ein solches Konzept natürlich weitere menschenfreundlcihe Unternehmen der Kreditwirtschaft auf den Plan rufen würde, ein ähnlich verwerfliches Geschäftsmodell zu betreiben, liegt leider in der Natur des Menschen. Es sollte m.E. unterbleiben, Yunus hier als Märtyrer bzw. Heiligenexistenz darzustellen, denn wenn er eines nicht ist, dann das.

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