M&A-Transaktionen: Nach dem Deal ist vor dem Deal

M&A-Transaktionen
Nach dem Deal ist vor dem Deal

M&A-Transaktionen liegen derzeit voll im Trend: Nach Berechnungen des Datenanbieters Thomson Financial wuchs das Geschäft im abgelaufenen Jahr weltweit um satte 36 Prozent auf 2 648 Mrd. Dollar.

GARMISCH. Doch die Kehrseite dieser Erfolgsgeschichte lauert auf juristischem Parkett. Dort heißt es nämlich: Nach dem Deal ist vor dem Deal. Bei vielen Firmenfusionen und-übernahmen kommt es trotz Abschlusses eines Unternehmenskaufvertrags zu so genannten "Roadblocks" - Stolpersteinen, die das Geschäft entweder ganz zu Fall bringen oder zumindest Nachverhandlungen über den Kaufpreis eröffnen. "Oft ist man mit Verträgen konfrontiert, die trotz sorgfältiger Prüfung Regelungslücken aufweisen. Dafür gehen im Vorfeld die Vorstellungen der Parteien einfach zu weit auseinander", nennt Rechtsanwalt Christian Bienemann aus der Kanzlei Beiten Burkhardt einen der Gründe für die Nachkarterei.

Ein anderer offenbarte sich kürzlich bei der Pro-Sieben-Sat-1-Übernahme durch die Springer AG: Das Bundeskartellamt kann eine Transaktion trotz Einigung über den Kaufpreis noch stoppen. M&A-Spezialist Thomas Schulz aus der Wirtschaftskanzlei Nörr Stiefenhofer Lutz ist diese Vertragssituation bekannt: "Bei kartellrechtlich sensitiven Verfahren sind die Vertragsverhandlungen extrem schwer, weil sich die Frage stellt, wer das Risiko der Rückabwicklung trägt", sagt Schulz. "Auch müssen gleich Szenarien für die Rückabwicklung gefunden und im Vertrag festgeschrieben werden."

Doch hier lauert ein weiterer Streitauslöser. Denn Firmenverkäufer versuchen meist, ein Rücktrittsrecht des Käufers komplett auszuschließen - selbst dann, wenn die Zahlen des zu veräußernden Unternehmens geschönt sind, Garantien nicht eingehalten oder zugesagte Steuerrückstellungen nicht vorgenommen wurden. Die Reaktion des Erwerbers sind etwa Schadensersatzforderungen - oder eine Nachverhandlung über den Kaufpreis.

Aktuelle Beispiele gibt es zur Genüge: So verhandelten die Chemiekonzerne BASF und Bayer über eine Kaufpreisanpassung für das Insektizid Fipronil, das BASF von Bayer für 1,2 Mrd. Euro übernommen hatte.

Der Grund: Zum Zeitpunkt des Besitzerwechsels machte Fipronil nach Branchenschätzungen rund 400 Mill. Dollar Jahresumsatz. Angeblich entwickelte sich jedoch das Mittel bei BASF nicht wie erhofft. Auch die Daimler-Chrysler AG musste beim Adtrans-Verkauf an Bombardier Federn lassen: Der ursprüngliche Kaufpreis von 725 Mill. Dollar wurde vergleichsweise im Wege einer Kaufpreisanpassung um 170 Mill. Euro reduziert.

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