Musikindustrie
Schmidt-Holtz könnte ans Sony-BMG-Pult wechseln

Beim seit Monaten von Störgeräuschen geplagten Musikkonzern Sony BMG knistert es lauter. Die weltweit zweitgrößte Plattenfirma steht vor einem Wechsel am Dirigentenpult: Rolf Schmidt-Holtz soll angeblich Nachfolger des scheidenden Vorstandschefs Andrew Lack werden.

HB GÜTERSLOH/NEW YORK. Der Medienkonzern Bertelsmann, der das Joint Venture mit Sony 2004 eingegangen war, gab sich am Donnerstag zugeknöpft: „Ich kann diese Informationen nicht bestätigen“, sagte ein Sprecher in Gütersloh.

Der Stabwechsel an der Spitze wäre das Ergebnis einer langen Kette von Problemen, die das Gemeinschaftsunternehmen aus der Bertelsmann-Musiksparte BMG und dem Musikbereich des japanischen Elektronikriesen Sony von Anfang an begleitet haben. Gleichwohl käme die Personalie nicht unerwartet. Schon im Herbst war öffentlich über einen Wechsel des 57 Jahre alten Schmidt-Holtz, derzeit Chef des Aufsichtsrates, in die operative Führung gemutmaßt worden. „Wir müssen in der Führung ein bisschen nachjustieren“, sagte Bertelsmann-Vorstandschef Gunter Thielen. Ein „Rentenvertrag“ mit Altrocker Bruce Springsteen, dem Noch-Chef Lack 110 Millionen Euro zugebilligt hatte, stieß vor allem ihm sauer auf. Solche Verträge habe man höchstens früher einmal gemacht, sagte er.

Der Springsteen-Kontrakt war aber nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte und die Personaldebatte vollends in Gang setzte. Viel problematischer noch sind Reibungsverluste beim Fusionsprozess, die bislang nicht in den Griff zu bekommen waren. „Es gibt Philosophieunterschiede, die wir überwinden müssen“, sagte Thielen schon im November. Einer dezentralen, auf die Selbstständigkeit der einzelnen Unternehmensteile setzenden Unternehmenskultur bei Bertelsmann steht die strikt zentralistische und hierarchisch organisierte Struktur von Sony gegenüber. „Wir hatten gedacht, dass es trotzdem geht“, sagt ein früherer Bertelsmann-Manager.

Doch die Hoffnung ging bislang nicht auf. Die Unebenheiten führten sogar dazu, dass im vergangenen Jahr Neuerscheinungen nicht rechtzeitig auf den Markt kamen und das Ergebnis maßgeblich belasteten. Im Vergleich zu Marktführer Universal Music musste Sony BMG bei den Marktanteilen deutlich Federn lassen. Lacks Stellvertreter Michael Smellie, von Bertelsmann in das Fusionsunternehmen geschickt, gab entnervt auf. Geld kostete auch der Fehler, Musik-CDs für den US-Markt mit einem technischen Kopierschutz belegt zu haben. Die Software machte Rechner anfällig für Viren. Das Unternehmen sah sich immensen Schadensersatzforderungen ausgesetzt und musste schließlich mitten im Weihnachtsgeschäft mit Hilfe einer Rückrufaktion den Kopf aus der Schlinge ziehen. Und das alles in einem Markt, der nach kurzem Aufbäumen 2004 wegen vor allem wegen zunehmender Internet-Piraterie weiter auf dem absteigenden Ast ist.

Richten soll es nun offenbar Rolf Schmidt-Holtz, der die angeschlagene Bertelsmann-Musiksparte saniert hatte und bis 2003 die Fusion mit Sony zunächst eingefädelt und dann realisiert hatte. Vermutlich müsste der gebürtige Oberfranke dann aber seinen Posten im Vorstand von Bertelsmann räumen, wo er die für den Konzern immens wichtige Gewinnung kreativen Personals koordiniert. Ganz ohne Misstöne dürfte seine Rückkehr in die operative Führung nach New York nicht abgehen. Andrew Lack, dessen Vertrag im März ausläuft, will das Feld nicht freiwillig räumen. Und Sony, unter der Führung von Lacks Freund Howard Stringer, hat bis 2009 das Vorschlagsrecht für den Posten.

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