Myspace-Gründer Tom Anderson und Chris DeWolfe
Manager als Groupie-Magneten

Eigentlich wollten Tom Anderson und Chris DeWolfe eine originelle Werbeidee für ihre Band The Raveonettes entwickeln. Heraus kam Myspace: das größte Phänomen des Internets – und die finanzielle Sorgenfreiheit für seine Gründer.

SANTA MONICA. „Myspace ist ein kulturelles Phänomen“, schreibt das Nachrichtenmagazin „Newsweek“. Die Tageszeitung „USA Today“ ergänzt: „Anderson und DeWolfe haben es geschafft, das Internetwunder zu wiederholen.“ Was aber verbirgt sich hinter dieser Internetplattform, die monatlich zwölf Milliarden Visitors anzieht (also Besucher, darunter natürlich viele regelmäßige) und damit sogar Google hinter sich lässt? Und warum haben ausgerechnet Anderson und DeWolfe, die lieber Rockstars geworden wären, geschafft, was Tausende von hoch qualifizierten Webdesignern nach dem Platzen der Internetblase nicht einmal ansatzweise erreichten?

Tom Anderson nippt an einer Tasse mit schwarzem Kaffee. Er sitzt in seinem Büro in Santa Monica, an der Tür gibt es kein Namensschild, die Firmenanschrift ist geheim. „Sag einfach, dass es irgendwo in Santa Monica ist“, sagt der gebürtige Kalifornier mit BWL-Abschluss von der Top-Uni UCLA Los Angeles.

Hinter der Geheimnistuerei steckt keine arrogante Exzentrik eines Neureichen. Anderson und DeWolfe werden von ihren Fans – die meisten sind im Teenageralter – wie Superstars behandelt. In Restaurants oder Clubs kommen „Myspaceler“ auf sie zu, wollen Autogramme, haben jede Menge Anmerkungen und Vorschläge. „Wir kommen schon virtuell mit den zahlreichen Anfragen nicht mehr nach, kaum vorstellbar, wenn unsere Anhänger auch noch die echte Firmenanschrift kennen würden“, sagt DeWolfe, der Schüchterne im Team.

Dabei ist die Idee von Myspace nicht grundlegend neu. In den Hochzeiten der New Economy gab es etwas Ähnliches namens Geocities: eine Plattform, auf der die Nutzer ohne viel Arbeit eine eigene Homepage basteln konnten. Neu ist bei Myspace die Möglichkeit, Videos einzustellen und ein Weblog, eine Art Tagebuch im Internet, zu führen. Außerdem können die Anwender sich sehr schnell und leicht zu Interessensgruppen zusammenschließen und in Foren diskutieren.

Und: Es ist ein Ort, an dem Marketing auf ein neues, nie zuvor erfahrenes Niveau gehoben wird. „Wenn du zum Beispiel deine Band promoten willst“, erklärt Anderson, dann „kannst du Songs auf Myspace.com runterladen und diese mit deinen Freunden teilen.“

Kein gieriger Manager, kein Plattenlabel. Die enorme Kundenpalette von Myspace hat somit schon Karrieren gestartet. Das Konzept kann mit Produkten wiederholt werden. Wie ein Lauffeuer und ohne großes Werbebudget kann somit ein relativ kleines Produkt über Nacht zum Verkaufsschlager heranwachsen. „Ein geniales Konzept. Und so verdammt einfach. Warum ist da bloß niemand früher drauf gekommen?“ fragt sich Marketing-Stratege Peter Klaus von der PR-Agentur Fleishman-Hillard.

Das wirtschaftliche Potenzial hinter diesem System hat Medienmogul Rupert Murdoch als Erster erkannt. An einem sonnigen Sommertag in Kalifornien klingelte das Telefon von DeWolfe: „Rupert war selbst dran. Er wollte uns für 580 Millionen Dollar kaufen. Ich musste erst einmal das Fenster aufmachen, um Luft zu holen“, erinnert sich der verheiratete Football-Fan aus dem Bundesstaat Oregon. Mitte Juli 2004 übernahm Murdochs News Corp. das Management von Myspace. Anderson und DeWolfe blieben als Präsident und Vorstandsvorsitzender an Bord.

Ihr Leben habe sich aber „nicht sehr verändert“, seit sie Multimillionäre seien, beteuern sie unisono. „Wir arbeiten 12 bis 14 Stunden am Tag, über Geld denken wir im Moment nicht wirklich nach“, versichert DeWolfe.

Seite 1:

Manager als Groupie-Magneten

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%