Mysteriöse Pariser Millionärin mischt beim Cordiant-Kauf mit
Die Schöne und der Deal

Nahed Ojjeh, Tochter des früheren syrischen Verteidigungsministers und heute Multimillionärin mit Wohnsitz in Paris, beteiligt sich am Gerangel um den Cordiant-Kauf.

LONDON. Zwischen London und Paris bahnt sich eine Übernahmeschlacht der ganz besonderen Art an. Natürlich geht es dabei um Macht und Millionen – doch bislang geht es vor allem mysteriös zu. Auf der einen Seite steht Nahed Ojjeh, Tochter des früheren syrischen Verteidigungsministers und heute Multimillionärin mit Wohnsitz an der Seine. Auf der anderen Seite des Kanals sitzt ihr Gegenspieler Martin Sorrell. Der 58-jährige Cambridge-Absolvent gilt an der Themse als erfolgreicher Dealmaker und ist zudem gut bezahlter Chef der britischen Werbeagentur WPP.

Sein Werberiese (knapp 4 Mrd. £ Umsatz, 62 000 Mitarbeiter, 1400 Büros weltweit) hat kürzlich eine Millionen-Offerte für den in die Krise geratenen Rivalen Cordiant gemacht und damit die ebenfalls interessierte Agentur Publicis aus Paris brüsk ausgestochen. So weit so klar. Sorrell wurde in London mal wieder als Gewinner beklatscht. Schließlich bringt der Coup große Kundennamen und macht WPP zur zweitgrößten Agentur der Welt.

Doch dann betrat Anfang Juli die mysteriöse Schöne aus Paris die Bühne. Die Witwe des sagenumwobenen saudischen Geschäftsmanns Akram Ojjeh, der bis zu seinem Tod 1991 nicht nur mit dem Handel von Parfüm, Schmuck und Textilien, sondern auch mit dem Verkauf von Waffen reich geworden sein soll, kaufte heimlich still und leise eine Cordiant-Aktie nach der anderen.

Erst eine Pflichtmitteilung an der Londoner Börse offenbarte, dass sie ihren Anteil am Unternehmen auf inzwischen 11 % aufgestockt hat. In kurzer Zeit ist sie zweitgrößte Aktionärin geworden, hinter der Investorengruppe Active Value, die ihren Anteil in den vergangenen Wochen ebenfalls durch hektische Zukäufe auf 29 % erhöht hat.

Kontrollgremium schaltet sich ein

Nun beginnt die Sache spannend zu werden. Am 23. Juli sollen näm-lich die Aktionäre der hoch verschuldeten Cordiant-Gruppe der Offerte von WPP zustimmen. Doch will Übernahme-Meister Sorrell seinen Coup durchbringen, braucht er die Zweidrittelmehrheit der Aktionäre. Was eine Formsache schien, wird nun zur Nervensache. Mit ihren insgesamt 40 % könnten Active Value und Ojjeh im Schulterschluss den Aufstieg von WPP stoppen.

Was treibt Ojjeh dazu, mal eben mehr als 1 Mill. £ (1,5 Mill. Euro) in eine hoch verschuldete Werbefirma zu investieren? Für diese Frage interessiert sich auch das Kontrollgremium für Übernahmen in der Londoner City. Denn bereits am Mittwoch (16. Juli) soll die Cordiant-Aktie aus dem Handel genommen werden. Bald müsste also Ojjeh ihren Schleier lüften, heißt es in London.

Der Grund für die filmreife Geschichte soll die Pariser Agentur Zenith Optimedia sein, an der Cordiant 25 % besitzt. Und eine „goldene“ Option: Nach der kann Hauptaktionär Publicis den Anteil bis Jahresende für 75 Mill. £ kaufen. Diesen würde die Pariser Agentur gerne übernehmen, doch der Preis wurde in guten alten Zeiten vereinbart. Das Viertel an Zenith Optimedia ist nach dem Sturz der Branche heute nur rund 3,5 Mill. £ wert, sagen Analysten. Um die Vereinbarung zu kippen, müsste Cordiant zustimmen. Dazu reicht die einfache Mehrheit. Und von dieser Marke sind Ojjeh und Active Value rechnerisch nicht mehr weit entfernt.

Nahed Ojjeh schweigt

Zumal der Spuk nicht zu Ende ist: So soll in den vergangenen Tagen ein weiterer Unbekannter 2 % an Cordiant erworben haben, bahnen sich weitere Aktienwechsel an.

Doch die in London unterstellte französische Front gegen WPP-Chef Sorrell wird bislang heftig dementiert. Publicis hat erklärt, es gebe weder Kontakt zu Active Value noch zu Nahed Ojjeh. Ähnlich klingt es bei Active Value. Nur die selbst ernannte Botschafterin des königlichen Brettspiels, die Vorsitzende des nach ihr benannten Schachclubs „NAO Chess Club“, sie schweigt. Frau Ojjeh sei bis Anfang September im Urlaub und nicht in Paris, so eine Sprecherin.

Keiner weiß, was die Frau, die Schach zur Schulpflicht und zur olympischen Disziplin machen möchte, als nächsten Zug plant. So wird es im Kampf um Cordiant noch spannend werden. Denn die Welt der Zufälle ist diesmal ganz besonders klein. So ist bekannt, dass Ojjeh eine gute Freundin von Elisabeth Badinter ist, die den Aufsichtsrat von Publicis führt. Außerdem arbeiten die Anwälte der feinen Kanzlei Veil Armfelt Jourde für die reiche Wahl-Pariserin - und für Publicis. Und inzwischen musste die Pariser Agentur bestätigen, dass man sich nicht nur von Stehparties kennt. Nahed Ojjeh hält 1 % der Publicis-Aktien. Wert: rund 4,4 Mill. Euro.

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