Mystery Shopper
Berndt Hauptkorn kauft still und heimlich Luxusmarken

Luxusproblem: Berndt Hauptkorn soll teure Marken zusammenkaufen und einen deutschen Luxusgüterkonzern à la LVMH formen. Das ist keine leichte Aufgabe in der Krise und für einen, der nicht mit dem goldenen Löffel auf die Welt kam.

DÜSSELDORF. Berndt Hauptkorn hat etwas Jungenhaftes an sich. Schmal und klein wirkt er, guckt freundlich hinter seiner großen dunklen Hornbrille hervor und trägt eine ebenfalls große und dunkle Ledertasche in der Hand. Wenn er einen Raum betritt, ist er fast gar nicht zu hören, er ist ein leiser Mensch. Ein feiner, leiser Mensch mit manikürten Fingernägeln und einem gut sitzenden Samtjackett. Hauptkorn wirkt wie ein Künstler, seine Erscheinung erinnert an den jungen Yves Saint Laurent, nur seine Augen schauen keck, so als würde er etwas aushecken. Seine weißen Lackschuhe haben schwarze Applikationen mit Lochmuster - und als er in ihnen den Laden 187 Westbourne Grove in London betritt, hört man nur seine dunkle Stimme, die den Verkäufer begrüßt. Er wirkt, als würde er in den Laden hinein und durch ihn hindurch schweben.

Das Interieur passt zu Hauptkorn: Alles ist auf Diskretion ausgelegt, hierher verirren sich keine plumpen Menschen: roter Teppich, schwere Vorhänge vor den Fenstern, seidenüberzogene Wände und eine schwarze Decke, von der Dutzende kleine Glühbirnen leuchten wie ein Sternenhimmel. Wer hereinkommen will, muss eine Klingel drücken, bevor man ihm Einlass gewährt in das Reich von Solange Azagury-Partridge.

Die Frau ist Schmuckdesignerin, war zuletzt bei der Uhrenmarke Boucheron der Gucci-Gruppe unter Vertrag und verwirklicht sich jetzt mit ihrer eigenen Marke. Sie entwirft extravaganten Schmuck, stets mit einer Geschichte dahinter, nichts, was sich so leicht von Bijou Brigitte oder H&M kopieren lassen könnte. Ein Kettenanhänger als Herz gehört zum Sortiment; nicht in der üblichen Form, sondern als Nachbildung des menschlichen Organs. In Gold oder Rot, von innen leuchtend. Solange fertigt kleine Stückzahlen - das Herz kostet 6400 britische Pfund, die teuerste Kette etwa 250 000 Pfund. Längst haben Englands und auch Amerikas Promis die außergewöhnlichen Kollektionen für sich entdeckt, bieten sie doch eine Möglichkeit, sich von Kollegen mit schlichten und schnöden Ringen und Colliers abzugrenzen.

Berndt Hauptkorn, selbst nur mit einem schweren goldenen Ehering geschmückt, erkannte das Potenzial der Marke schon vor einer Weile. Voriges Jahr hat er die Mehrheit des Unternehmens Solange gekauft - und unter das Dach der Labelux-Holding gebracht.

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