Nabucco
Reinhard Mitschek – Der Schachspieler

Mit der Pipeline-Projekt Nabucco will Westeuopa unabhängiger vom russischen Gas werden. Doch politische Unsicherheiten in den fünf Betreiberländern lassen Zweifel aufkommen, dass das Projekt wie geplant umgesetzt werden kann. Nabucco-Chef Reinhard Mitschek ist dagegen sicher, dass das Acht-Milliarden-Euro-Projekt in Betrieb gehen wird.
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WIEN. Vorgestern Budapest, gestern Wien, heute vielleicht Sofia oder Ankara. Reinhard Mitschek ist es gewohnt, aus dem Koffer zu leben. Und wenn das von ihm betreute Projekt konkretere Formen annehmen sollte, wird er wohl noch häufiger unterwegs sein. Und da die Realisierungschancen für das Pipeline-Projekt "Nabucco" in den vergangenen Monaten gestiegen sind, kommt auch Mitschek wieder aus der Deckung. Nach längerer Pause gibt der 51-jährige Pipeline-Spezialist sogar freiwillig Pressekonferenzen, so wie gestern in Wien.

Ganz ruhig sitzt er vorn auf dem Podium in einem feinen Hotel und erzählt von seinem Ziehkind, der Nabucco-Pipeline. Nichts kann ihn dabei aus der Balance bringen. Er steht zu dem, was er macht. Und er steht zu dem Acht-Milliarden-Euro-Projekt, dessen Geschäftsführer er ist.

Mitschek ist es gewohnt, dass die Realisierungschancen der Nabucco-Pipeline ständig hinterfragt werden. Die politischen Unsicherheiten in den fünf künftigen Betreiberländern gehören für ihn zum Alltagsgeschäft. In Österreich überwiegen zwar die Befürworter der neuen Gaspipeline. Aber gleich hinter der Grenze zu Ungarn beginnen die Fragezeichen. Und in Rumänien, Bulgarien und vor allem in der Türkei gibt es erst recht Schwierigkeiten. Deutschland, über die Nabucco-Beteiligung von RWE als sechstes Land indirekt dabei, glänzt eher durch Desinteresse an dem Projekt.

Reinhard Mitschek ist von Hause aus zurückhaltend und bescheiden. Deshalb würde er sich diesen Titel sicherlich nicht selbst verleihen: Aber "Mister Nabucco" ist wahrscheinlich nicht ganz falsch. "Berufsoptimist" ist er sowieso. Wer wie er seit über 25 Jahren in der Energiebranche arbeitet, denkt in Dekaden. Deshalb können ihn auch Rückschläge und Niederlagen so schnell nicht umwerfen. "Das baut mich sogar eher noch auf", erzählt der Österreicher mit ein wenig Stolz im Unterton.

Von der wirtschaftlichen Notwendigkeit der 3 000 Kilometer langen Gaspipeline ist ein Energie-Mann wie Mitschek natürlich überzeugt. Vor 25 Jahren hat er beim Wiener Öl- und Gaskonzern OMV angefangen, einem der Gesellschafter des Nabucco-Konsortiums. Europa, so lautet Mitscheks Credo, müsse seine Energieversorgung auf eine breitere Basis stellen. Der Streit zwischen Russland und der Ukraine im vergangenen Winter habe mit aller Deutlichkeit unterstrichen, wie verwundbar Europa geworden ist.

Mitschek hat volle Rückendeckung von seinen Gesellschaftern, vor allem von der österreichischen OMV. "Er ist der beste Pipeline-Manager, den ich kenne", sagt OMV-Konzernchef Wolfgang Ruttenstorfer. Zweifel an Mitschek sind ausgeschlossen.

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