Nach 90 Tagen im Amt
Weber sieht sich „in der Transformation“

Die Bedingungen, unter denen Bundesbankpräsident Axel Weber sein Amt antrat, waren denkbar ungünstig. Von einem Tag auf den anderen avancierte er vom Hochschullehrer mit vier Assistenten zum Chef einer Behörde mit 15 000 Mitarbeitern.

FRANKFURT/M. Der neue Präsident hat sich aber gut geschlagen. Das bestätigen Mitarbeiter und Vorstandskollegen. Irritationen gibt es lediglich im Verhältnis zur Europäischen Zentralbank (EZB).

Weber selbst zieht nach 90 Tagen im Amt Bilanz. „Ich habe es als Herausforderung angesehen, eine gewisse geschäftspolitische Kontinuität zu wahren. Ich denke, dass das zumindest ansatzweise gelungen ist“, sagte er vor dem Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten. Die „Transformation vom Akademiker zum Notenbanker“ sei aber nicht abgeschlossen. „Es gibt keine Spezies, die eine komplette Transformation in 90 Tagen schafft.“

In der Bundesbank hat Weber es offenbar geschafft, den Blick wieder nach vorne zu richten. „Der Präsident verdient ohne Einschränkung das Qualitätsmerkmal ,gut’“, sagte ein ranghoher Mitarbeiter. „Damit können wir sehr zufrieden sein.“ Bisher laufe alles ohne Reibungsverluste. Das Arbeitsklima sei ausgezeichnet. Auch im Vorstand finde Weber den richtigen Ton. Ohne ihn hätte sich dieser nicht so schnell auf einen so strikten Verhaltenskodex geeinigt, wie er in der vergangenen Woche verabschiedet worden sei.

Seit April hatte der Vorstand unter Druck gestanden, sich klare Verhaltensregeln zu geben, um eine Wiederholung des Falls Welteke auszuschließen. Webers Vorgänger Ernst Welteke musste wegen einer Einladung der Dresdner Bank ins Berliner Nobelhotel Adlon zurücktreten. Im Ansehen der Öffentlichkeit war die Bundesbank auf den tiefsten Punkt in ihrer Geschichte gefallen. Das Selbstverständnis der Mitarbeiter, ohnehin von der laufenden Strukturreform betroffen, war erschüttert.

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