Nach Befragung im EU-Parlament Facebook-Chef Mark Zuckerberg inszeniert sich als Partner der Europäer

Erst die unangenehme Pflicht in Brüssel, danach der Dialog in Paris: Facebook-Chef Zuckerberg inszeniert sich als Partner der Europäer.
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Facebook: Mark Zuckerberg inszeniert sich als Europas Partner Quelle: action press
Mark Zuckerberg

Der Facebook-Chef stellte sich den Fragen der EU-Parlamentariern.

(Foto: action press)

ParisManchmal scheint es so, als wolle Mark Zuckerberg selbst nicht so ganz glauben, was mit seinem Netzwerk passiert: Dann reißt er die Augen auf, blickt starr, seine sonst sehr helle Haut nimmt eine rötliche Farbe an.

So war das zum Beispiel auch am Dienstagabend, als der Facebook-Gründer die Fragen von EU-Parlamentariern beantworten sollte. Denn die Zeiten sind vorbei, in denen ein Foto mit ihm Politikern als Beweis für digitales Vordenkertum dienen musste. Heute ist nicht mehr häufig von Digitalpionier Zuckerberg die Rede.

Der liberale Politiker Guy Verhofstadt fasste das Gefühl des Zweifelns an der Technologie zusammen: Am Ende müsse sich Zuckerberg die Frage stellen, wie man sich an ihn erinnern solle: „Wollen Sie in einem Atemzug mit Steve Jobs oder Bill Gates genannt werden, die Technologien erfunden haben, die unser Leben veränderten, oder als einer, der ein digitales Monster schuf, das unsere Gesellschaft zerstört?“

Keine Antwort von Zuckerberg, wie so oft. Er reiste im Anschluss nach Paris, um dort Staatspräsident Emmanuel Macron zu treffen und am Donnerstag die Konferenz Vivatech zu besuchen. Wer Zuckerbergs Reise als den sprichwörtlichen Gang nach Canossa verstanden wissen will, liegt nicht ganz richtig: Es ist auch sein Versuch, das Narrativ von Facebook wieder in die Hand zu nehmen.

Mittwochabend im französischen Hauptquartier nahe der Pariser Börse: Zuckerberg steht auf der Bühne und spricht vor ausgewähltem Publikum. Die Anspannung aus Brüssel ist gewichen, Anzug und Krawatte sind gegen blauen Pulli, Jeans und etwas zu abgetragene Sneaker ausgetauscht.

Es ist schwer einzuschätzen: Ist er ein so durchgecoachter Profi, dass er eine Belastung wie Brüssel einfach wegsteckt? Dafür spricht, dass Zuckerberg gelernt hat, viel zu reden und doch wenig zu sagen. Im EU-Parlament erklärte er lieber einzelne Technologien, als konkret auf die Fragen einzugehen. Vielleicht liegt seine Lockerheit in Paris aber auch an dem Thema, über das er spricht: künstliche Intelligenz (KI).

KI soll den menschlichen Makel bei Facebook beseitigen, der das Nutzererlebnis schmälern oder empfindliche Regulierung heraufbeschwören könnte. Es ist auch ein Versprechen: Bald, ganz bald wird die Technologie das Leben wieder besser machen. Auch am Mittwochabend ist das so: Facebook feiert in Paris das dreijährige Bestehen seines Forschungszentrums für KI am Standort. Schon jetzt entfernten entsprechende Systeme zuverlässig terroristische Inhalte und Kinderpornografie, erklärt Zuckerberg. Eines Tages werde sie uns auch gegen Dinge wie Fake News oder Hassreden helfen.

Rückenwind für Digitalisierung – Macron auf Tuchfühlung mit Mark Zuckerberg

Rückenwind für Digitalisierung – Macron auf Tuchfühlung mit Mark Zuckerberg

Mit seinem Glauben ist er nicht allein, in Frankreich werkelt Staatspräsident Macron derzeit an einer nationalen Strategie für künstliche Intelligenz. Es sei großartig, einen Politiker zu treffen, der einen derartigen Fokus auf KI lege, berichtet Zuckerberg auf der Bühne.

Auch finanziell will Facebook vor Ort aufrüsten: Das Unternehmen kündigt eine Erhöhung der Investitionen an und will Wirtschaft und Wissenschaft miteinander verzahnen: „Wir wollen eine Talente-Pipeline für künstliche Intelligenz in Paris schaffen“, verkündet Zuckerberg. Schöner hätte es wohl auch Macron nicht sagen können.

Am Ende weiß Zuckerberg eben auch um seine Macht: Vor dem EU-Parlament breitete er aus, wie sehr kleine und mittelständische Betriebe von der Plattform profitieren würden – und zählte auf, wo Facebook überall in der EU investiere. Es scheint so, als habe Zuckerberg die Frage für sich beantwortet, wie er den Menschen in Erinnerung bleiben wolle.

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