Nach dem IT-Skandal
Satyam: Niete oder Schnäppchen?

Der indische IT-Gauner Satyam sucht Käufer. Doch potentielle Investoren fürchten, die Katze im Sack zu kaufen. Nicht einmal die Zahl der Mitarbeiter auf den Gehaltslisten ist belegt.

NEU-DELHI. Gebrauchtwagenkäufer kennen das Problem: Ob der Stoßdämpfer schwächelt oder die Zylinderkopfdichtung leckt, wissen sie oft erst hinterher. Den Bietern für Indiens einst gefeierten IT-Dienstleister Satyam geht es nicht besser. Geprüfte Bilanzen? Auftragsbestand? Cash-Flow und Schulden? Was gemeinhin zur Basisinformation jedes Verkaufs gehört, sind bei Satyam große Unbekannte. Nicht einmal die Zahl der Mitarbeiter auf den Gehaltslisten ist belegt. Von 45 000 bis 53 000 reichen die Schätzungen, genau weiß das auch das Unternehmenssprecher Sandeep Thawani nicht.

Dafür hat der Satyam-Aufsichtsrat aber detaillierte Vorstellungen, was die potenziellen Bieter leisten sollen. Bis Freitag, wenn die Frist für das erste Angebot abläuft, müssen sie zum Beweis ihrer Finanzkraft ein Nettoanlagevermögen von mindestens 150 Mio. Dollar vorweisen. Und wer am Ende die offerierten 51 Prozent des IT-Dienstleisters erwirbt, der darf sie drei Jahre lang nicht wieder veräußern.

Satyam ist ein Notverkauf. Das erklärt viel über eines der bizarrsten Bieterverfahren, die je für ein börsennotiertes Unternehmen gestartet wurden. Sechs Jahre lang hatte Firmengründer Ramalinga Raju die Bücher frisiert und unbemerkt eine Mrd. Dollar abgezweigt. Als Indiens größter Bilanzskandal Anfang Januar aufflog, drohte dem plötzlich illiquiden IT-Dienstleister die Pleite.

Die Regierung in Neu-Delhi, besorgt über den Ruf ihrer Vorzeigebranche, schritt eilig zur Rettung. Binnen Tagen ernannte sie einen neuen Aufsichtsrat und stellte anschließend die Weichen für den Verkauf. Denn nur schnelles Handeln, soviel zumindest ist klar, bewahrt Satyam noch vor dem Aus. Andererseits ist Rajus Geflecht aus Scheingeschäften und Nebenfirmen derart undurchschaubar, dass die mit der Aufarbeitung des Betrugs betrauten Wirtschaftsprüfer KPMG und Deloitte Touche vermutlich noch Monate brauchen, bis sie verlässliche Zahlen liefern. Das ist nur eine der vielen Unwägbarkeiten. So laufen in den USA ein Dutzend Sammelklagen geprellter Aktionäre, deren Kosten völlig ungewiss sind.

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