Nach dem Kaufrausch regelt Oracle-Chef Ellison seine Nachfolge. Und legt die künftige Strategie fest.
Der Feldherr aus Kalifornien

Aus den Boxen dröhnt Rockmusik so laut, dass einem der Brustkorb vibriert. Der Saal im Moscone-Kongresszentrum in San Francisco ist so groß wie ein Fußballfeld und bis zum letzten Platz gefüllt. Die gewaltige Bühne ist fast leer, nur ein Barstuhl und ein runder Stehtisch mit zwei Flaschen Wasser drauf sind zu sehen.

HB SAN FRANCISCO.Ein letzter Donner aus den Lautsprechern, ein Zucken der Scheinwerfer, Bühne frei für Lawrence J. Ellison, 61, Mitgründer und Vorstandschef der kalifornischen Oracle Corp., des drittgrößten Softwarekonzerns der Welt und Marktführers bei Datenbanken.

Ellisons Rede bei der alljährlichen mehrtägigen Hausmesse „Oracle World“ wird jedes Jahr inszeniert wie der Auftritt eines Popstars, der seine Fans gleich mit einem neuen Album beglückt. So auch vorgestern: Ellison, den alle nur Larry nennen, trägt einen dunklen Armani-Zweireiher, darunter ein schlichtes schwarzes T-Shirt. Er hat einiges zu verkünden und noch mehr zu erklären. Denn Oracle befindet sich in einer Art Kaufrausch: Für mehr als 17 Milliarden Dollar inhalierte der Konzern in den vergangenen Monaten Konkurrenten wie ein Staubsauger. Erst J.D. Edwards und Peoplesoft, dann in der vorvergangenen Woche Siebel Systems – die 350 000 Besucher und 300 Aussteller der Messe erwarten Antworten auf die Fragen: Was hat Ellison damit alles vor? Wen schluckt er als Nächstes? Und: Lässt er neue Kampfansagen in Richtung der großen Konkurrenten Microsoft und SAP los?

Ellison enttäuscht seine Anhänger nicht. Pünktlich zur Messe gibt er die Übernahme des Softwareunternehmens Global Logistics Technologies (G-Log) aus Pennsylvania bekannt, einer Firma, die ein übers Internet laufendes System anbietet, mit dessen Hilfe Speditionen jederzeit ihre Fracht kontrollieren können. Und: Er gibt erstmals Auskunft darüber, wer einmal sein Erbe antreten könnte. „Wenn ich morgen tot umfalle, dann würde Safra Catz meine Nachfolgerin als Chief Executive Officer.“ Ein Novum. Nie zuvor hatte Ellison so eindeutig über die Top-Personalie gesprochen. Catz, 44, ehemalige Investmentbankerin, fungiert als eine Art Chief Operating Officer und trägt damit die Verantwortung für das Tagesgeschäft bei Oracle.

Kein Wort kommt dafür über seine Lippen, wie er sich die Integration der vielen Zukäufe vorstellt. Jahrelang waren etwa Ellison und Siebel-Gründer Tom Siebel in inniger Feindschaft verbunden. Siebel war vor Gründung seines eigenen Unternehmens einer der Starverkäufer bei Oracle. Weil Ellison aber keine anderen Alphatiere neben sich duldete, verließen viele Top-Manager Oracle und machten mit eigenen Firmen dem alten Arbeitgeber Konkurrenz. Die Liste dieser „Little Larrys“ ist lang im Silicon Valley, auch Ex-Peoplesoft-Chef Craig Conway gehört dazu.

Schon versuchen die beiden großen verbliebenen Oracle-Konkurrenten Microsoft und SAP, das Integrationswirrwarr zu nutzen: Anfang dieser Woche teilt etwa SAP mit, dass es verstärkt gelungen sei, ehemalige Peoplesoft- und J.D.-Edwards-Kunden abzuwerben.

Ellison hält dagegen, will verstärkt mit Größe punkten. Nach den Übernahmen von Siebel und G-Log kommt Oracle nun bei Software-Anwendungen auf einen Umsatz von 4,4 Milliarden Dollar, liegt damit aber noch immer deutlich hinter SAP mit über zehn Milliarden Dollar. Aber auch klar vor der entsprechenden Microsoft-Sparte, die mit Software speziell für Unternehmen nur 800 Millionen Dollar erlöst. Experten sehen die Siebel-Übernahme deshalb auch als Kampfansage gegen Microsoft: „In keinem anderen Geschäftsfeld liegt Microsoft jetzt so weit hinten“, sagt Jochen Klusmann, Analyst bei der BHF-Bank.

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