Nach dem Urteil
Madoff kommt wohl zu den schweren Jungs

Das Urteil ist gefällt, der Milliardenbetrüger Bernard Madoff muss für den Rest seines Lebens in Haft. Doch wie geht es jetzt weiter? Fachleute rechnen damit, dass der Ex-Broker ein einem Hochsicherheitsgefängnis weit weg von New York landet - zusammen mit Mördern und Gewalttätern. Das könnte für den Staatsfeind Nummer eins gefährlich werden.

DÜSSELDORF. Eine Villa in Florida, Yachten, ein Privatjet und ein riesiges Apartment in New Yorks feiner Upper East Side: Bernard Madoff hatte jahrelang ein Leben in Luxus geführt - auf Kosten seiner geprellten Kunden. Nun ändert sich alles für den größten Finanzbetrüger aller Zeiten: Madoff wird den Rest seines Lebens im Gefängnis verbringen müssen.

Nachdem der 71-jährige Ex-Broker am Montag seine Haftstrafe von 150 Jahren erhalten hat, wird in den USA mit Spannung die Entscheidung über Art und Ort seiner Haft erwartet. Wird er in ein Hochsicherheitsgefängnis gesteckt, zu den ganz schweren Jungs? Wie wird er vor Übergriffen der Mitgefangenen geschützt? Oder darf er sich doch eher auf lockere Haftbedingungen freuen?

Von der Wahl der Behörden hängt für Madoff eine Menge ab: Die Zustände und Sicherheitsauflagen in amerikanischen Gefängnissen sind höchst unterschiedlich. Die Behörden stehen bei ihrer Wahl unter mächtigem öffentlichen Druck.

Die Entscheidung über den Haftort fällt in Amerika eine eigene Behörde, das Federal Bureau of Prisons (BoP) im texanischen Grand Prairie. Man sei noch in der Beratungsphase, hieß es dort. Die außergewöhnliche Höhe der Strafe, die Schwere des Verbrechens sowie die Empfehlung des Vorsitzenden Richters Denny Chin, Madoff irgendwo im Nordosten der USA unterzubringen, würden in die Entscheidung einfließen.

Fachleute mutmaßen jedoch, dass das BoP den heiklen Fall direkt bei der vorgesetzten Behörde abladen wird, dem US-Justizministerium. "Das Ministerium muss extrem vorsichtig vorgehen", sagt Allan Ellis, auf Haftunterbringung spezialisierter Anwalt und Autors des Knast-Kompendiums "Federal Prison Guidebook", im Interview mit der "New York Times". "Die Details werden die Beamten noch richtig ins Schwitzen bringen".

Fachleute gehen davon aus, dass Madoff angesichts der Höchststrafe von 150 Jahren in einem Gefängnis der mittleren bis höchsten Sicherheitsstufe untergebracht werden wird. Und das könnte gefährlich werden: Mitgefangene, die lebenslänglich absitzen, könnten sich einen gewisse Prominenz erwerben, indem sie auf Madoff losgehen. "Was haben sie denn zu verlieren?", zitiert Bloomberg einen Ex-Häftling und heutigen Gefängnis-Berater.

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