Nach dem Wechsel
Notfall neuer Chef

Mitarbeiter führen, Ziele vorgeben, Vorbild sein: Chef werden ist emotional fast so belastend wie die Scheidung einer Ehe. Doch frischgebackene Führungskräfte bekommen von ihren Unternehmen nur wenig Unterstützung in dieser kritischen Phase. Hier finden sie externe Hilfe.

Wie eine Online-Befragung der Personalberatung DDI bei weltweit 600 Führungskräften ergeben hat, erklärte gut ein Drittel der neuen Chefs, dass sie den Positionswechsel erfolgreicher bewältigt hätten, wären sie besser auf ihre neue Rolle vorbereitet worden.

Ob es nun um den Aufstieg aus den eigenen Reihen oder die Übernahme eines Managementpostens in einem anderen Unternehmen geht, die Wechselsituation hat stets ihre Tücken. Wer nicht auf interne Unterstützung zählen kann, muss sich dennoch nicht hilflos fühlen: Seminare und Internet-Trainings bieten Gelegenheit für Trockenübungen. Mit einem externen Coach an der Seite gelingt der Transfer der Theorie in die Praxis besonders gut.

„Der größte Stolperstein sind unrealistische Erwartungen“, sagt Sabine Dembkowski. Weil sie sich beweisen wollen, stellten viele Führungskräfte zu hohe Erwartungen an sich und ihre Mitarbeiter. „Wer dann scheitert, verliert seine Glaubwürdigkeit“, warnt die Geschäftsführerin vom Coaching Centre in Köln, die Führungskräfte am Arbeitsplatz begleitet.

„Viele haben kein klares Bild, wo sie da hineinspringen“, ergänzt Achim Mollbach, Bereichsleiter der Kienbaum Management-Beratung. Vor allem die informellen und mikropolitischen Strukturen würden von Newcomern auf dem Chefsessel oft sträflich vernachlässigt. „Manager müssen sich heute schneller positionieren und Entscheidungen treffen“, erklärt Mollbach. Vor allem jüngere Führungskräfte suchten sich daher einen Coach als Sparringspartner, der sie praxisnah fit macht.

Wem die Firma keinen Coach spendiert, der kann On- oder Offline-Seminare buchen, um die Weichen richtig zu stellen. „Die Nachfrage ist groß“, sagt Rüdiger Schulz, Senior Consultant bei der Fischer Group International in Hamburg. Die Hanseaten bieten zum Beispiel das Internet-Programm Leadership Transition Online an. Das Web-Training soll Führungskräften helfen, das neue Terrain zu sondieren und ihre neue Rolle anzugehen. Dabei wird zunächst die individuelle Situation abgefragt. Ist man ein Aufsteiger aus den eigenen Reihen oder kommt man sogar aus einem anderen Kulturkreis? Danach bekommt der Teilnehmer jede Woche passende Übungsaufgaben zugeschickt. Zudem gibt es Infos und Empfehlungen zu den verschiedenen Phasen des Wechsels.

„Viele machen den Fehler, sich zu sehr auf sachliche Dinge zu fokussieren“, erklärt Experte Schulz. Gerade für Manager, die von außen kommen, sei es wichtig, erst einmal den persönlichen Kontakt zu den neuen Mitarbeitern und Kollegen zu suchen. „Die wollen wissen, wer Sie sind und welche Vorstellungen und Erwartungen Sie haben“, erklärt der Psychologe. „Und sie achten sehr genau darauf, ob der neue Chef ihnen Wertschätzung entgegenbringt.“ Wer gleich alles radikal verändern wolle, der werte automatisch alles Bisherige ab. Schulz: „Brechen Sie wichtige Veränderungen nicht übers Knie.“ Denn auch wenn der Druck noch so groß ist, langfristig kann eine Führungskraft nur dann erfolgreich sein, wenn ihre Mitarbeiter freiwillig mitziehen.

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