Nach der geplatzten Fusion
Wolfgang Kirsch: Perfektionist mit zwei Schnitzern

Seine Bilanz ist blitzsauber: Dennoch dürfte DZ-Bank-Chef Wolfgang Kirsch bald unter erheblichen Druck geraten. Nach dem erneuten Scheitern der Fusion mit der WGZ ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis Rufe nach einem personellen neuanfang laut werden.

FRANKFURT. Wolfang Kirsch ist das, was man im Finanzsektor einen typischen Kreditmann nennt. "Bei dem zählen nicht die 100 000 Fälle, in denen alles glatt läuft", sagt ein Mitarbeiter über den DZ-Bank-Chef. "Den interessiert das eine Mal, wo?s schief geht."

Um so mehr muss sich der 54-Jährige gestern über das Scheitern der Fusion mit der weitaus kleineren WGZ geärgert haben. Zumal das Projekt zum mittlerweile vierten Mal geplatzt ist - davon zweimal in Kirschs Amtszeit. Nun dürfte es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis Rufe nach einem personellen Neuanfang an der DZ-Spitze laut werden.

Dabei gibt es - mit Ausnahme des WGZ-Dramas - wenig an Kirschs Bilanz zu mäkeln. Seit Herbst 2006 auf dem Chefsessel, ist der begeisterte Golfer und Tennisspieler bei den Genossen angekommen. Nüchtern, sachlich, emotionslos wirkt der ehemalige Deutsche-Banker auf den ersten Blick. Doch Mitarbeiter loben seine unkomplizierte Art und seinen durchaus vorhandenen, überaus trockenen Humor.

Dass Kollegialität nicht mit fehlender Durchsetzungsfähigkeit zu verwechseln ist, musste unter anderem Ex-Vorstandsmitglied Heinz Hilgert erfahren. Nach einigen Querschüssen musste er den Hut nehmen.

Im Verbund wird Kirsch hoch angerechnet, dass die DZ Bank trotz Milliardenverlust bislang ohne Staatshilfe auskommt. Ob das reicht, um die Position des gebürtigen Rheinländers zu sichern, muss sich aber erst noch zeigen. Schon Ende 2006, beim letzten Scheitern, hatte es im Verbund geheißen: Ein nochmaliger Fehlschlag werde nicht ohne Konsequenzen bleiben - weder für Böhnke noch für Kirsch.

Hans G. Nagl
Hans G. Nagl
Handelsblatt / Senior Financial Correspondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%