Nach der Woolworth-Pleite
Ottmar Hermann: Bestatter und doch Retter

Nach Karmann soll Ottmar Hermann auch Woolworth retten. Längst ist er zu einer Größe unter den deutschen Insolvenzberatern geworden. Vor allem die Mitarbeiter hoffen auf den Experten. Ein Porträt.

FRANKFURT. Die leicht bullige Statur strahlt Ruhe pur aus, das schmale Lächeln Ernst und Zuversicht zugleich. "Ich sehe gute Chancen, Woolworth nach einer Restrukturierung weiterführen zu können", sagt Ottmar Hermann. Es ist ein kleines Hoffnungszeichen, aber ein wichtiges in jenem großen Raum mit dem trüben Charme der sechziger Jahre, dem Versammlungssaal in der Woolworth-Zentrale in der Frankfurter Bürostadt Niederrad.

Es ist der erste öffentliche Auftritt von Hermann als vorläufiger Insolvenzverwalter der deutschen Billigkaufhauskette Woolworth. Am Dienstag hatte das Unternehmen, deren Läden unter anderem dem Finanzinvestor Cerberus gehören, wegen drohender Zahlungsunfähigkeit Antrag auf Insolvenz gestellt. Und so schlecht sind die Nachrichten, die Hermann aus seinem ewigen Begleiter, der schmalen Aktentasche zaubert, nicht. Woolworth sei noch liquide, weil man rechtzeitig gekommen sei. "Wir streben die Fortführung des Unternehmens an."

Wieder einmal ist Hermann, weithin bekannter Insolvenzverwalter, in jener schwierigen Rolle: Bestatter und Abwickler für die Gläubiger, zugleich aber letzter Hoffnungsträger für die leidgeplagten Mitarbeiter. Vor nicht einmal einer Woche hat Hermann diesen Spagat in Osnabrück bewältigt.Dort hatte der in der Autobranche klingende Name Karmann Insolvenz angemeldet. Auch hier ist die Botschaft klar: Er habe Hoffnung, dass eine positive Betriebsstruktur vorhanden sei, auf der man aufbauen könne, erklärt Hermann.

Ob Karmann oder Woolworth, stets ist das Bild das gleiche. "In der Regel treffe ich auf Menschen, die schon sehr gelitten haben und am Ende ihrer Kräfte sind", beschrieb Hermann vor einiger Zeit seine ersten Eindrücke bei neuen "Aufträgen". Der 58-Jährige weiß, was in so einer Situation zu tun ist: den Mitarbeitern Hoffnung geben, dabei aber auch reinen Wein einschenken. "In einer Insolvenz kann sich niemand seines Jobs sicher sein", sagt er den besorgten Karmann-Mitarbeitern offen ins Gesicht.

Seite 1:

Ottmar Hermann: Bestatter und doch Retter

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%