Nach enttäuschendem Jahr
Toyota tauscht Deutschland-Chef aus

Es ist ein Führungswechsel ohne Glanz. Nach einem verpatzten Jahr tauscht der japanische Autokonzern Toyota seinen Deutschland-Chef aus. Konzerninsider bemühen sich, den Vorgang als Normalität hinzustellen. Doch hinter den Kulissen brodelt es, das Image des Autoherstellers ist angekratzt. Welche Aufgaben auf den neuen Deutschland-Chef zukommen.
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FRANKFURT. Nach Angaben des Unternehmens wird Ulrich Selzer, der 46-jährige bisherige Chef der deutschen Toyota-Tochter Lexus, neuer Vize-Präsident bei der wichtigen Tochtergesellschaft der Japaner. Sein Vorgänger, der Belgier Alain Uyttenhoven, kehrt nach kaum drei Jahren Anfang Januar wieder in die Europazentrale von Toyota nach Brüssel zurück.

Das Image ist angekratzt

Konzerninsider bemühen sich, den Vorgang als Normalität darzustellen. Uyttenhoven wird künftig direkt an den Präsidenten von Toyota Motor Europe, Didier Leroy, berichten und hauptverantwortlich für die Neuausrichtung in Europa sein. Ursprünglich wollte Toyota die Personalie erst nächste Woche verkünden. Doch so lange ließ sich die Nachricht nicht mehr halten.

Der gebürtige Darmstädter Selzer übernimmt nach drei Jahren bei der Premiumtochter Lexus den Toyota-Chefsessel in Deutschland zu einem schwierigen Zeitpunkt. Die umfangreiche weltweite Rückrufserie Anfang des Jahres hat das Image des immer noch weltweit größten Autoherstellers angekratzt.

Die Absatzzahlen der Japaner erholten sich zwar in den vergangenen Monaten auf dem deutschen Markt wieder. Dennoch wird Toyota aufgrund des schwachen Jahresstarts sein ursprünglich angepeiltes Verkaufsziel von rund 100 000 Autos in Deutschland in diesem Jahr deutlich verfehlen. Selzer muss den Autobauer, der jahrelang nur Zuwächse in Deutschland kannte, rasch wieder auf Wachstum trimmen.

Der Führungswechsel zu Selzer sei nicht dem mäßigen Abschneiden von Toyota in Deutschland geschuldet, sondern ein "normaler Vorgang", heißt es im Unternehmen. Der Marketing-Profi Uyttenhoven war im April 2008 nach Köln gekommen. In der Europazentrale in Brüssel soll er nun einen erweiterten Aufgabenbereich erhalten.

Der neue Deutschland-Chef, der Betriebswirtschaft und Literatur studierte, weiß, was die Zentrale in Tokio nun erwartet: "Ich werde alles daransetzen, die wieder anziehenden Auftragseingänge in langfristiges Wachstum zu verwandeln", versprach der Hornbrillenträger gestern. Für das kommende Jahr peilt er einen Absatzzuwachs auf 90 000 Fahrzeuge an.

Seine Auto-Karriere startete Selzer 1989 bei Opel/General wo er bis 1997 tätig war. Bis zum Jahr 2004 arbeitete er beim Autokonzern BMW in München, bis 2007 war er Director Product Planning & Market Intelligence bei Toyota Motor Europe.

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  • in den USA sind solche Autos an der Tagesordnung. in Deutschland nicht. Der Preisunterschied ist gewaltig und liegt bei "vielen 1.000 Euro" je Automodell. Man ziert sich im deutschen Markt aber noch gewaltig, da zu viele Kunden einfach gerne mehr Geld für das Auto ausgeben. Wachstum auf dem deutschen Absatzmarkt muss sich somit durch günstigere Verkaufspreise "erkauft" werden. Passiert es bei TOYOTA nicht, werden langfristig koreanische und später chinesische Automarken an TOYOTA vorbeiziehen. Auch zeigt TOYOTA Schwächen im Autodesign. baustellen gibt es somit noch viele. baustellen, die nicht einfach durch einen Personenwechsel "schneller oder kleiner" werden.

  • KSb Frankenthal Deutschland wurde so eine Personalfluktuation auch nicht schaden.

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