Nach jahrelanger Flucht
Ex-Südmilchchef Weber stellt sich den Behörden

Der mit internationalem Haftbefhel gesuchte ehemalige Chef des Molkereikonzerns Südmilch, Wolfgang Weber, hat sich den deutschen Behörden gestellt. Weber war seit 1993 auf der Flucht.

HB STUTTGART. Wie die Staatsanwaltschaft Stuttgart mitteilte, wurde der Haftbefehl gegen eine Sicherheitsleistung von 100 000 Euro außer Vollzug gesetzt. Weber werden Untreue und Betrug vorgeworfen. Er hatte sich jahrelang in Paraguay aufgehalten. Seine Rückkehr nach Deutschland war zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung abgestimmt worden.

Weber (68) hatte sich im August 1993 einer drohenden Verhaftung auf seine Rinderfarm in dem südamerikanischen Land abgesetzt. Ein bereits im Mai 1994 gestellter Auslieferungsantrag blieb erfolglos, weil er neben der deutschen auch die paraguayische Staatsangehörigkeit besaß.

Weber erklärte am Dienstag, er habe sich „seit Jahren darum bemüht, zu erfüllbaren Bedingungen nach Deutschland zurückzukehren“. Dies sei nunmehr der Fall, nachdem mit einer Reihe von Einstellungsverfügungen der Staatsanwaltschaft frühere Vorwürfe wie Subventionsbetrug und Bilanzmanipulation vom Tisch seien. Er habe seinen paraguayischen Pass abgegeben und werde seinen Wohnsitz in Heilbronn anmelden.

Vorwurf der Untreue

Nach Aussage der Staatsanwaltschaft steht Weber im Verdacht, mit einem „angeblichen Know-how-Verkauf“ versucht zu haben, die Südmilch AG zu Lasten der ostdeutschen Sachsenmilch AG zu sanieren. In diesem Zusammenhang soll er mit dem von der Südmilch betreuten Börsengang der Sachsenmilch durch falsche Angaben die Aktienkäufer sowie die Emissionsbank geschädigt haben. Neben gemeinschaftlichen Betrug wirft ihm die Staatsanwaltschaft auch Untreue zum Nachteil der Sachsenmilch AG vor.

Weber war von 1970 bis 1992 Vorstandsvorsitzender und danach bis Januar 1993 Aufsichtsratschef der Südmilch in Stuttgart. Die Südmilch war damals der größte deutsche Molkereibetrieb. 1993 wurde Südmilch von der niederländischen Campina übernommen. 1990 war unter Federführung der Südmilch die Sachsenmilch AG gegründet worden, deren Leitungsfunktionen weitgehend mit Personen aus dem Südmilch-Vorstand besetzt wurden. Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zeichneten sich bereits 1991 finanzielle Probleme bei der Umsetzung des Projekts ab.

Zur Schadenssumme erklärte die Staatsanwaltschaft, der Sachsenmilch seien 16 Millionen Mark (8 Mio Euro) entzogen worden. Diese Summe falle unter den Vorwurf der Untreue. Zum Thema Betrug nannte die Staatsanwaltschaft einen „Gefährdungsschaden“ in Höhe von 60 Millionen D-Mark (30,67 Mio Euro), weil die Emissionsbank einen Großteil der ausgegebenen Aktien habe zurückzukaufen müssen.

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