Nach Milliardenbetrug
Bündnis gegen Madoff

Die juristische Schlacht im Zusammenhang mit dem Madoff-Milliardenbetrug ist zumindest etwas übersichtlicher geworden. Am Dienstag schlossen sich in Madrid 34 internationale Anwaltskanzleien zu dem "Globalen Bündnis im Fall Madoff" zusammen, das etwa 5000 Anwälte aus 21 Ländern einschließt.

MADRID/MAILAND. Die Juristen vertreten Banken, Hedge- Fonds, öffentliche Institutionen und private Anleger. Der New Yorker Investmentbroker Bernard Madoff war Mitte Dezember verhaftet worden, nachdem er durch ein gigantisches Schneeballsystem jahrelang die Finanzwelt genarrt und institutionelle sowie private Anleger um rund 50 Mrd. Dollar betrogen hatte.

Die Streitsumme könnte jedoch auf ein Vielfaches anwachsen. Weltweit seien bis zu 22 000 Rechtsverfahren zu erwarten, schätzt Javier Cremades von der spanischen Kanzlei Cremades & Calvosotelo. Privatanleger versuchten gegen Banken oder Hegde-Fonds vorzugehen, diese gegen die Aufsichtsbehörden und die wiederum hätten ein Interesse daran, gegen Madoff selbst vorzugehen, sagt Javier Cremades, der zum Präsidenten der Kanzleien-Allianz ernannt wurde. Vizepräsidentin ist Gaytri Kachroo, Partnerin der US-Kanzlei McCarter & English und Anwältin des US-Finanzmarktdetektivs Harry Markopolos, der die US-Börsenaufsicht SEC schon im Jahr 2000 vor Madoff gewarnt hatte.

In der Kanzleienallianz geht es vor allem um den Austausch von Informationen etwa darüber, "wie viele Opfer es überhaupt gibt, zu welchen Bedingungen sie ihre Investitionen getätigt haben und was genau bei den verschiedenen Akteuren und bei den Aufsichtsbehörden abgelaufen ist", sagt Javier Cremades. Die Allianz werde keine Klienten direkt vertreten, Interessenskonflikte könne es deshalb nicht geben.

Das enorme Informationsdefizit, das zwei Monate nach der Verhaftung von Madoff noch immer besteht, war aus Sicht aller in Madrid anwesenden Juristen der Kanzleienallianz das Hauptproblem. "Wir stehen noch ganz am Anfang, auf einem Zeithorizont von 1 bis 60 vielleicht bei 1 oder 2, erklärt der deutsche Anwalt Walter Späth von der Berliner Kanzlei Rohde & Späth. Er vertritt etwa 30 deutsche Privatinvestoren, die im Schnitt rund 50 000 Euro durch Madoff verloren haben. Insgesamt wird der Schaden durch Madoff in Deutschland auf 300 bis 500 Mio. Euro geschätzt, bis zu 50 000 deutsche Anleger könnten betroffen sein.

Schnellschüsse seien angesichts der komplexen Lage nicht angebracht, erste Klagen seien in einem Vierteljahr zu erwarten, erklärt Späth. Die Allianz könne helfen, gemeinsame Strategien zu entwickeln oder sich über andere Rechtsordnungen zu informieren, wenn es etwa darum geht, für deutsche Klienten in Luxemburg oder den USA tätig zu werden.

Zudem hilft die Allianz durch größere Öffentlichkeitswirkung, den Druck auf die Beschuldigten der verschiedenen Ebene zu erhöhen, mit den Geschädigten einen Vergleich auszuhandeln. "Wenn sich Lösungen ergeben, und man nicht bis zum Letzten gehen muss, ist das sicher nicht schlecht", meint der deutsche Anwalt Späth.

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