Nach Schuldspruch
Ex-Enron-Chef beteuert seine Unschuld

Die Jury hat die ehemaligen Enron-Chefs Jeffrey Skilling und Kenneth Lay wegen Betrugs und Verschwörung schuldig gesprochen. Damit kann Lay bis zu 45 Jahre, Skilling gar bis zu 185 Jahre ins Gefängnis geschickt werden. Doch Lay beteuert erneut seine Unschuld.

HB HOUSTON/WASHINGTON. Zugleich äußerte der frühere Chef des US-Energiehändlers Enron seinen Schock über die Entscheidung der Geschworenenjury, die ihn in Houston (Texas) im Zusammenhang mit dem Firmen-Bilanzbetrugsskandal in allen sechs Anklagepunkten für schuldig befunden hatte. "Ich bin fest davon überzeugt, dass ich unschuldig bin. Ich habe das von Anfang an gesagt und bleibe auch heute dabei", sagte Lay.

Die einst von der Wall Street gefeierten Enron-Bosse müssen sich darauf gefasst machen, den Rest ihres Lebens hinter Gittern zu verbringen. Beiden war vorgeworfen worden, die prekäre Finanzlage des später zusammengebrochenen Unternehmens mit Bilanztricks und dubiosen Transaktionen verschleiert zu haben. Die US-Regierung und Rechtsexperten zeigten sich am Donnerstag zufrieden. Das Urteil sende eine klare Botschaft an alle Manager und Aktiengesellschaften, dass Wirtschaftskorruption in den USA nicht toleriert werde. Über das Strafmaß in einem der bedeutendsten Wirtschaftsprozesse der US-Geschichte soll am 11. September entschieden werden.

Die zwölf Geschworenen kamen in Houston zu dem Schluss, dass sich Lay und Skilling in ihrer Zeit als Führungskräfte bei Enron Verschwörung und Betrug zu Schulden kommen ließen. Zudem sah es die Jury als erwiesen an, dass sich Skilling auf Grund von Insider-Wissen über die finanzielle Misere des einst siebtgrößten US-Konzerns mit Aktienverkäufen persönlich bereichert hatte.

Mit dem Urteil der Geschworenen kann Richter Simeon Lake die beiden Angeklagten für Jahrzehnte ins Gefängnis schicken: Lay wurde in allen sechs Anklagepunkten wegen Betruges und Verschwörung schuldig gesprochen, womit dem 64-Jährigen eine Haftstrafe von bis zu 45 Jahren droht. Skilling wurde in 19 Anklagepunkten wegen Betruges, Verschwörung, Insider-Handels und Falschaussagen schuldig gesprochen. Damit muss sich der 52-Jährige auf eine maximale Strafe von 185 Jahren Gefängnis gefasst machen. Die Anwälte der Angeklagten kündigte an, das Urteil anzufechten. "Wir haben den Kampf gerade erst begonnen", sagte Skillings Verteidiger Daniel Petrocelli.

Als die Jury im Gerichtssaal ihr Urteil gegen Mittag verlas, blickte Skilling zu Boden. Lays Ehefrau Linda ergriff den Arm ihres Mannes. Nach dem Schuldspruch umringten Lay weinende Familienangehörige. Der Verurteilte blieb dagegen gefasst und sagte knapp: "Gott hat noch etwas anderes vor." Skilling erklärte, er und sein Team hätten vor Gericht einen guten Kampf abgeliefert. Es könne aber nicht immer alles nach Plan laufen. "Natürlich bin ich enttäuscht, aber so funktioniert das System nun einmal", sagte er.

Skilling bleibt gegen eine Kaution von fünf Millionen Dollar zunächst auf freiem Fuß. Lay muss seine Kaution von ebenfalls fünf Millionen Dollar noch hinterlegen und zudem seinen Personalausweis abgeben. "Ich lasse ihn nicht aus diesem Gebäude hinaus, bevor sein Pass hinterlegt ist", sagte Richter Lake. In einem Nebenverfahren wurde Lay zudem noch wegen Bankbetruges und illegaler Börsengeschäfte in vier Punkten schuldig gesprochen. Pro Anklagepunkt drohen Lay hierbei noch einmal Haftstrafen von je 30 Jahren. Juristen schätzen jedoch, dass Lay im Nebenprozess zu maximal zwei Jahren verurteilt wird, weil er den betroffenen Banken alle Kredite zurückbezahlt habe.

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