Nachbarn rekrutiert
US-Marketingstrategen entdecken Mundpropaganda

Wer verlässt sich bei der Suche nach einem neuen Handy nicht gerne auf den Tipp der besten Freundin? Wer zweifelt schon den Rat des Arbeitskollegen beim Aussuchen des besten Hundefutters an? Genau dieses Vertrauen machen sich US-Marketingstrategen inzwischen zu Nutze.

HB WASHINGTON. In den USA ist Vorsicht geboten: Die Freundin und der Arbeitskollege könnten zum neuen Heer der freiwilligen Werber gehören - Leute, die von Marketingabteilungen und Werbefirmen gezielt mit Produktwerbung auf Freunde und Bekannte angesetzt werden. Mehr als eine Million Menschen sind in den USA dafür schon rekrutiert.

Mundpropaganda heißt das Konzept, mit dem schon viele große Firmen experimentieren, darunter der Konsumgüterriese Procter & Gamble (PG), einer der Pioniere auf dem Gebiet. Die Firma ("Pampers", "Ariel", "Gilette") gründete im März das Mütternetzwerk "Vocalpoint", das nach Angaben von Firmensprecherin Robyn Schroeder schon eine halbe Million Mitglieder hat. Eine ist Donna Whetherell. Sie preist unter ihren Kolleginnen im Callcenter in Columbus (Ohio) zum Beispiel neues Spülmittel an. Im Gegenzug, berichtete sie der Zeitschrift "BusinessWeek", erhält sie kostenlose Proben. Und darf den Auftraggebern in einem Online-Chat ganz frank und frei die Meinung sagen. Whetherell (51) hat das Gefühl, so an der Entwicklung von Produkten mitzuwirken. "Bei uns ist der Verbraucher Boss", sagt Schroeder.

Procter & Gamble schuf schon vor fünf Jahren "Tremor", ein Netzwerk für Teens, mit heute 250 000 Mitgliedern. Dort wird von Mode bis Musik alles Mögliche beworben.

Die Agentur Bzz-Agent in Boston ist neu im Geschäft und ganz auf Mundpropaganda-Werbekampagnen eingestellt. Sie hat nach eigenen Angaben rund 210 000 Menschen in der Kartei, die mit kostenlosen Proben, Anreizen und Gewinnchancen an den Mann, die Kollegin, den Cousin und die Mitarbeiterin bringen, was ihnen aufgetragen wird.

Für Bzz-Agent im Einsatz ist zum Beispiel Maria. "Als ich nach Chicago umzog, habe ich meinen Augenarzt, meinen Friseur, die besten Restaurants auch durch Mundpropaganda gefunden", schreibt sie auf der Webseite der Agentur. "Jeder ist theoretisch ein Bzz-Agent. Ich habe nur das Glück, davon auch noch zu profitieren."

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