Nachfolge
Dussmanns dritter Mann

Es ist vielleicht der schönste Schleudersitz der Republik: an einem gläsernen Schreibtisch direkt unter der Glaskuppel des Kulturkaufhauses an der Friedrichstraße hoch über Berlin. Dort könnte Thomas Greiner bald Platz nehmen, wenn ihn Peter Dussmann, Gründer und Chef eines der größten Dienstleistungsunternehmen, auch physisch bald räumen wird.

BERLIN. Denn seit Dienstag ist der 52-jährige Greiner Vorstandsvorsitzender der Dussmann-Gruppe. Ein Posten, an dem schon mancher gescheitert ist. Nicht einmal sechs Monate hatte sich Herbert Lütkestratkötter an der Spitze des Gebäudedienstleisters halten können, bevor er 2003 seinen Posten abgeben musste. Lütkestratkötter, der vom Frankfurter Baukonzern Philipp Holzmann kam, scheiterte nach Meinung von Insidern am starken Firmeneigentümer Dussmann.

Dann folgte Frank Wössner, Ex-Chef von Bertelsmann Buch. Er schied aber schon 2005 wieder aus, angeblich, „wie vorgesehen“, um den Vorstand zu verjüngen. Dussmann übernahm erneut selbst das operative Geschäft und baute um sich eine Quadriga von Vertrauten auf. Mit dabei: Thomas Greiner.

Nach den Fehlbesetzungen ist sich Dussmann jetzt sicher: „Ich habe verschiedene Vorstandsvorsitzende kommen und gehen sehen.“ Greiner sei bei einer internen Beurteilung seiner Führungskräfte „mit Abstand als Bester hervorgegangen“. Greiner, der 52-jährige Politologe und diplomierte Wirtschaftsförderer, arbeitet seit über zehn Jahren für den autoritären Firmengründer Dussmann, der nichts für Geschwafel und „Furzbeuteleien“ übrighat und dementsprechend intolerant sein kann.

Zunächst leitete Greiner die Unternehmenskommunikation, ab 2002 als Chef der Tochtergesellschaft Kursana. Seit zwei Jahren sitzt er im Dussmann-Vorstand. „Heute ist man nur im Team erfolgreich“, sagte Greiner gestern. Ein Team, das Boss Dussmann natürlich selbst bestimmt hat: Zusätzlich zu den Mitgliedern Wolfram Olschowy (Personal und Finanzen) und Dirk Brouwers (Dussmann-Service) wurde der Vorstand der Gruppe um Jörg Braesecke (Kursana) und Axel Gränitz (International) erweitert. Die Dussmann-Gruppe erzielte zuletzt einen Umsatz von 1,31 Milliarden Euro.

Mit seinen strahlenden, blauen Augen und dem dynamischen Haarschnitt, der in seiner Kürze nur noch vom legendären Yul Brynner getoppt wird, wirkt er zupackend. Einiges hat er auch schon vorzuweisen: Als Chef der Kursana, des zweitgrößten Bereichs der Gruppe hinter der Gebäudedienstleistersparte und vor dem Kultur-Kaufhaus Berlin, konnte er im vergangenen Jahr den Umsatz der Seniorenwohnheime um 8,5 Prozent auf 217 Millionen Euro steigern.

Doch wer glaubt, Peter Dussmann habe mit seinem Unternehmen nichts mehr zu schaffen, irrt. Bis Ende des Jahres will er eine Familienstiftung gründen. „Dann bin ich frei für mein Anwesen in Malibu.“ Doch die Stiftung, die die Firma kontrollieren soll, wird Dussmann selbst leiten – auch von Malibu aus.

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